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Der Grillabend der Stammtischfreunde
von Joachim Acker

Den heutigenTag reiht man am besten unter der Rubrik "Vergiß
ihn so schnell wie möglich" ein. Oder sagen wir es
anders: es ging so ziemlich wieder alles schief, was in einem
Haushalt, ach was sage ich, in einem Leben alles schief laufen
kann. Morgens verschüttete ich den Kaffee, glühend
heiß über ein Körperteil, dass zwar vorhanden
ist, aber keinen Namen hat, dann fiel mir die Porrigdeschüssel
samt eben gekochtem Inhalt aus der Hand und auf die Fließen
der Küche. Zur größten Freude meines Stubentigers,
der sich gleich voller Freude und Behagen drüber her machte.
Dann, als ich das Haus verließ, stolperte ich über
die Treppen und fiel der Länge nach hin, und wer mich kennt,
weiß das dies eine ziemliche Länge ist. Aber so verteilte
sich der Schmerz wenigstens etwas.
Auf dem Marktplatz traf ich dann die liebe Ehegattin von Fred,
meinem Pfeifenraucherstammtischfreund, die Gute ermahnte mich
nachdrücklich, ihren armen Fred nicht immer zu irgendwelchen
Schandtaten zu verführen, sie würde dies mit größter
Mißbilligung sehen. Dann schaute sie mich mit einem Blick
an der mir durch Mark und Bein ging und schritt königlich
von dannen. Geschockt und nervlich am Ende flüchtete ich
in den "Drachen", den letzten Zufluchtsort den ein
geplagter Mensch auf dieser Erde noch findet.
Dort am Stammtisch saßen schon einige meiner Freunde,
sie begrüßten mich mit einem lauten Hallo und sagten
mitleidig zu mir: "Mann, du siehst aber gar nicht gut aus".
Das gab mir dann den Rest.
Nun, nach einigen Gläsern Birnenmost hatte sich mein
Gesamtzustand wieder etwas stabilisiert, ich rauchte wohlgemut
meine Pfeife, wir unterhielten uns über kleine Skandälchen
die man so hörte. Ich will dies aber hier nicht in der Öffendlichkeit
breittreten, ihr habt dafür sicherlich größtes
Verständnis.
Irgendeiner hatte dann die Idee zum Schaufler zu gehen und
ihn mit unserer Anwesenheit zu beglücken. Nun müßt
ihr wissen, das der Schaufler, mein bester Freund, von seiner
lieben Frau Gemahlin Ausgehverbot in den "Schwarzen Drachen"
erhalten hatte. Gesagt, getan! Ich kam auf die tolle Idee, dass
wir doch beim Metzger vorbei gehen und dort etwas zum Grillen
kaufen könnten um dann gemeinsam beim Schaufler im Garten
ein spontanes Grillfest zu veranstalten.
Dieser Vorschlag löste natürlich allergrößten
Jubel aus, der lange dürre Karl war ganz außer sich
vor Begeisterung, sein Kopf lief sofort rot an vor lauter Freude.
Klar, das er da gleich dabei war, etwas Verfresseneres wie den
Karle gabs kein zweites Mal auf der Welt.
Also zog die Bande los, beim Metzger vorbei und dann zum kleinen
Häuschen des Schauflers. Seine Frau wahrte mühsam die
Fassung als sie uns sah, sie war aber der Krise nahe, das sah
man ihr an. Aber sie machte gute Miene zum Spiel, grummelte etwas,
das sie nun zum Singabend des Kirchenchores gehen würde
und war verschwunden. Und dann gings ans Werk. Der Grill wurde
aufgebaut, mit List und Tücke Feuer entfacht. Mit etwas
zuviel List denn Fred verbrannte sich den Finger dabei. Also
schütteten wir ihm kaltes Bier drüber, Fred sah es
als Verschwendung an und flößte sich den Trunk selber
ein.
Das Feuer brannte und wir legten die Fleischstücke in
die Flammen. Es zischte und brodelte, dampfte und begann zu stinken.
Eugen, der Apotheker, begann mit uns zu schimpfen: "Das
Fleisch kommt auf die Glut, nicht in die Flammen" Aber der
wußte eh immer alles besser, dieser Angeber.
Karl stand schon mit einem Teller und seinem Besteck neben
der Grillstelle und fragte zum hundersten Male wenn es nun endlich
etwas gäbe. Er sei am Verhungern und überhaupt dauert
dies alles viel zu lange, er sei schon ganz schwach und fühle
sich so elend. Peter, der Leiter des Jungfrauenchores, reichte
ihm ein Bier, dankend wurde es angenommen und verschwand ratzfatz
in einem gierigen Schlund.
Endlich warten die Flammen einer schönen Glut gewichen,
das Fleisch wurde wieder drauf gelegt und begann vor sich hin
zu bruzeln. Karl stand schon wieder neben dem Grill, den Teller
fest in der Hand, mit gierigen Augen auf die Glut und das Fleisch
starrend. Natürlich kam bei alledem das Rauchen nicht zu
kurz, und in den Rauch des Grills mischte sich der mehr oder
weniger wohlriechende Rauch unserer Pfeifen.
Und dann der Schreck: Es begann zu regnen, zuerst nur wenige
Tropfen, dann immer heftiger. Nun war guter Rat teuer. Unser
Gastgeber wußte dann Rat: "Wir gehen mit dem Grill
in die Stube". Kurzentschlossen packten wir den Grill und
schleppten ihn in die Wohnstube vom Schaufler. Das Sofa und
die Sessel samt Tisch wurden zur Seite geschoben, der Teppich
aufgerollt und in den Hausgang transportiert. Karl baute sich
mit seinem Teller wieder neben dem Grill auf, zappelte ungeduldig
von einem Bein aufs andere.
Und endlich war es soweit: das Fleisch war gar und wurde gerecht
verteilt, Karl verzog sich mit seinem Teller in eine Ecke und
stand dann wenige Minuten später wieder am Grill und bat
um Nachschub, den er auch bekam. Der Hund vom Schaufler rannte
schwanzwedelnd von Einem zum Andern und bettelte um einen Happen,
natürlich bekam er etwas und verzog sich mit einem Knochestück
in eine Ecke der Stube.
Was soll ich noch sagen: Es war ein wundervolles Fest, harmonisch
und friedlich wie es sich für Pfeifenraucher gehört.
Wir knabberten am Fleisch, tranken Bier oder Most, rauchten dann
unsere Pfeifen und unterhielten uns. Oder mit kurzen Worten
umschrieben: Wir waren glücklich. Glücklich mit uns,
mit der Welt und überhaupt mit Allem.
Draußen platschte der Regen herunter, aber dies focht
uns nicht an, wir waren in des Schauflers Stube im Trockenen.
Wer dann den Grill umwarf, ließ sich im nachhinein nicht
mehr genau feststellen. Auf alle Fälle fiel er um und verteilte
die glühenden Kohlen auf dem Parketboden der Schauflerschen
Stube. Aber keine Bange: Schnell waren die kleinen Glutnester
mit mehreren Eimern Wasser gelöscht. Mein Freund Schaufler
sah allerdings etwas unglücklich drein, aber er bewahrte
die Fassung, wurde doch seine Stube vor dem Flammenraub bewahrt.
Etwas später dann hörten wir wie sich die Haustüre
öffnete, die Hausfrau kam von der Singestunde nach Hause.
Als nächstes dann ein heftiger Schlag und ein gellender
Schrei, die Gute war über den Teppich gefallen. Wutentbrannt
kam sie in die Stube und blieb mit geöffnetem Mund starr
vor Entsetzen stehen und ein zweiter, durchdringender Schrei
kam ihr über die Lippen. Dieser Schrei hatte nur wenig menschliches
an sich, er war direkt animalisch und wir erstarrten. Der Schaufler
wurde kreidebleich, stammelte etwas und fuchtelte mit den Händen
ziellos in der Luft herum. Was dann alles folgte will ich euch
verschweigen. Nur soviel kann ich euch sagen: es war sehr, sehr
unangenehm, ach was sage ich: es war der Vorhof zur Hölle.
Für uns und am meisten für den armen Freund.Schaufler.
Ja, liebe Freunde die ihr diese Zeilen lest, so endete der
Tag wie er begonnen hatte: im Chaos.
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