Johan Slabbert, ein afrikanischer Pfeifenbauer

Lothar Winands

36 Jahre war Johan Slabbert als Polizei-Detektiv für den S.A. Police Service auf der Jagd nach Mördern und bewaffneten Räubern. Nach seiner Pensionierung im Jahre 1992 begann er als Hobby mit Holzschnitzen und Drechseln auf einer Drehbank. Eine weitere Leidenschaft ist das Sammeln von antiken Werkzeugen und anderen Gegenständen aus der Vergangenheit. Zu seinen Sammlungen zählen auch eine Reihe von Pfeifen. Vor etwa zwei Jahren zündete er sich wieder eine Pfeife an und entschied, selbst eine Pfeife zu bauen. Tage und Nächte verbrachte er dann mit der Planung, der Organisation und praktischen Versuchen bis er sie in den Händen halten konnte, seine erste Pfeife. Die Holmbohrung war zwar ein wenig schräg, doch es wurde eine gut rauchbare Pfeife.

Danach lief es ihm immer besser von der Hand. Kopf und Holm werden auf der Drehbank soweit vorgearbeitet. Danach die verschiedenen Bohrungen. Das Mundstück passt Johan an während die halbfertige Pfeife noch in der Drehbank eingespannt ist. Dann folgt das Finish in reiner Handarbeit.

Leon de Preez, ein Freund von Johan Slabbert schaute sich die Arbeit ab und versucht nun Tag für Tag Pfeifen mittels einer Ständerbohrmaschine herzustellen.

Johans Pfeifen sind gefertigt aus dem Holz das ihm in Südafrika zur Verfügung steht und verwandte physikalische Eigenschaften wie die Erica Arborea Wurzel hat. Wild Olive, Lead, Mopane, African Black wood and Black Hook Thorne.

Sein Wunsch war immer auch Pfeifen aus Bruyere zu bauen, aber bislang scheiterte dies aus Kostengründen. (Wechselkurs Rand und hohe Transportkosten)

Vor einigen Wochen bekam ich ein Mail von Johan, der in gebrochenem Englisch anfragte ob wir in Europa möglicherweise auch Pfeifen aus Olivenholz rauchen würden und ob ich solch eine Pfeife auch in meiner Sammlung hätte. Vermutlich surfte er im World Wide Web und stiess wohl auf diese Seite oder aber er fand irgend einen Beitrag von mir im Netz.

Ich berichtete ihm dann von einem sardischen Pfeifenbauer mit Namen Tom Spanu, der solche Pfeifen fertigt. Hier in Europa seien sie aber sehr selten und wenn sie im Handel auftauchen würden, dann meist mit einem Bruyere-Einsatz.
Er berichtete mir dann, dass er nur Olivenholz-Pfeifen baut, da Bruyere in Südafrika nicht zu haben sei und wenn, dann würde dieses Holz von ihm nicht zu bezahlen sein, da der Südafrikanische Rand hier in Europa keinen Gegenwert habe. Ich schilderte ihm dann ein wenig über meinen Bekannten den Bruyere-Farmer in den Pyrenäen und dass ich ihm schon solches Holz beschaffen könnte.

In der Zwischenzeit hatte er mir auch eine Pfeife aus seiner Fertigung nach Europa als Geschenk gesandt. Ich fand das so attraktiv, dass ich ihm eine Ladung Bruyere Kanteln bei meinem nächsten Besuch in Spanien einpackte und zum Postamt trug. Da verschlug es mir fast die Sprache als ich hörte, was ein kleines Paket nach Südafrika kostet. Nun denn, was macht man nicht alles unter Pfeifenrauchern und hakte den Betrag innerlich ab. Johan hatte mich in weiteren Mails gefragt, welche Pfeifenform mir besonders gefallen würde. Gross soll sie sein, ein Füllvolumen von etlichen ccm und einen Durchmesser im Brennraum von mindestens 22 aber besser noch 25 mm haben.

 

Nach meiner Rückkehr aus Spanien fand ich ein Päckchen vor, in dem 3 herrliche Pipen von Johan waren. Eine, aus Olivenholz gefertigt, die er neben seinem Namenszug und Südafrika auf dem Holm gepunzt, auch noch mit "Lothar`s Jumbo" auf dem Kopfunterboden gezeichnet hatte. Am Holm ist noch ein Zierring aus einem sehr dunklen Tropenholz eingefügt. Die Pfeife hat eine Bohrung von 25mm und eine Bohrtiefe von 70mm.

Die andere, ganz schwarz und schwer, bezeichnete er auf dem Boden mit dem Schriftzug "Lothar`s out of Africa". Sie ist gefertigt aus Ebenholz und trägt am Holm noch einen Elfenbeinring. Die Pfeife hat eine Bohrung von 26mm und eine Bohrtiefe von 65mm.

Die dritte Pfeife ist sehr leicht und hat einen Kopfinnendurchmesser von 29 mm bei einer Bohrtiefe von 48mm.

Da lagen sie nun vor mir, drei Geräte der Extraklasse, aus verschiedenen exotischen Hölzern, die mir zu schade erschienen, sie je in Brand zu setzen. Johan drängte nun aber darauf dass ich sie rauche um ihm zu berichten wie sie funktionieren.

Nun nahm ich mir dafür ausreichend Zeit um sie sorgfältig und der riesigen Grösse entsprechend einzurauchen. Zuerst einmal die Olivenholzpfeife. Was mir an dieser sofort auffiel, ist die andere Farbe des Holzes gegenüber Olivenholz aus dem Mittelmeerraum. Die grünliche Farbe fehlt ihr völlig. In Brand gesetzt verhält sie sich völlig unproblematisch. Klar, bei der ersten Füllung schmeckte sie schon eigenartig süsslich. Sie passte eigentlich zum Medium Virginia Flake den ich immer zum Einrauchen einer neuen Pfeife aufgerubbelt benutze. Sie sollte am nächsten Tag dann gleich noch mal in Gang gesetzt werden um den Geschmack des Tabaks besser zu spüren. Dann nahm ich mir die Ebenholzpfeife vor. Johan sagte mir, dass diese gar nicht warm werden würde und sehr gut zum rauchen sei. Nun denn, wenn der Afrikaner das sagt, muss das ja noch nicht viel heissen, da er mit edlem Bruyere ja noch keine Erfahrung hat. Also wieder den MVF in den Topf und ab ging es. Das Gewicht ist enorm, man kann sie nur aus der Hand rauchen, aber sie schmeckt vom ersten Moment an, was ich nie geglaubt hätte.

Die dritte werde ich mir noch ein wenig aufsparen und mich an ihrer Reinheit erfreuen. Johan war mehr als erfreut als ich ihm von meinen Erlebnissen mit den neuen Pfeifen berichtete. Sie nässen nicht, werden nicht heiss und der Geschmack ist, vermute ich mal im Gegensatz zu europäischem Olivenholz neutral.

Bei der Ebenholz-Pfeife ist der Geschmack völlig neutral und ohne die sonstigen Zicken beim Einrauchen einer neuen Pfeife verhält sich diese wie eine Blockmeerschaumpipe.

 

 

Johan ist schon ein armer Teufel dort in Südafrika. Fragte er mich, doch was Perique für ein Tabak sei. Sie bekämen so etwas nicht zu kaufen. Klar, dass er ein Sortiment geschickt bekam um zu testen und zu erahnen was sich so ein verwöhnter Mitteleuropäer in die Pfeife füllt.

Zwischenzeitlich habe ich die Pfeifenfreundschaft vertieft. Während eine grössere Menge feinstes Bruyere auf dem Weg nach Südafrika ist, sendet Johan einen Karton Pfeifen aus seiner Produktion. Diese werden dann in Kürze unter www.synjeco.ch zu sehen sein.

Eigentlich schade, dass ich Johan nicht bereits früher kennen gelernt habe. Er lebt in der Nähe von Paarl, eine Stadt nördlich von Kapstadt. Als ich vor Jahren Südafrika bereiste, fuhr ich an seinem Dorf vorbei nach Stellenbosch zur Weinprobe. Vermutlich hätte ich dann einmal weniger Kopfschmerzen gehabt. Sein gebrochenes Englisch kommt daher, dass er normalerweise "Africaans" spricht.

 

 

 

 

Weitere Infos findet man auf seiner hp: