|
Carrol´s Golden Bar Plug
Joachim Acker
Der kleine News Agent Laden in Winchester im Süden Englands
in dem ich meine tägliche Ration Gummibärchen kaufen
wollte war klein, winkelig und vollgestopft mit allerlei Krimskrams.
Hinter der Kasse ein kleines Regal auf dem die üblichen
Tabaksorten zum Verkauf feilgeboten wurden. In der obersten Reihe
sah ich einen gelben Würfel ""Golden Bar"
stand drauf, ein vielversprechender Name dachte ich. Heute scheint
mein Glückstag zu sein war dann mein zweiter Gedanke, denn
diesen Plug kannte ich noch nicht. Es versteht sich ja von selber
dass ich ihn kaufte.
Das Geschäft
verlassend ging ich dann die Hauptstrasse abwärts, am Denkmal
"Alfred´s des Großen" vorbei und setzte
mich am Itchen auf eine Bank.
Misstrauisch äugte ich zum wolkenverhangenen, Regen verheißenden
Himmel, dann packte ich den Würfel aus. Ich roch an dem
dunkelbraunen Stück Tabak und mir stieg ein frischer Geruch
in die Nase.
Ich weiß das frisch ein ziemlich mehrdeutiges Wort ist,
aber mir fiel im Moment nichts besseres ein. Er roch wie ein
aufgeschnittener Bittenfelder Apfel, irgendwie fruchtig, frisch
und etwas herb eben.
Da ich mein Schneidebrett nicht
dabei hatte löste ich mit dem Taschenmesser feine Späne
und füllte sie in meine Pfeife, zündete an und war
vom Geschmack des Tabaks sehr angetan: ein natürlicher,
etwas herber und doch ziemlich kräftiger Virginiatabak.
Nicht so kräftig wie der Warrior Plug aber doch durchaus
gehaltvoll, so empfinde ich persönlich diesen Plug. Ein
sehr feines und unaufdringliches Aroma umspielte ihn, weich lag
er auf der Zunge, weder brennend noch irgendwie beißend.
Ich schaute zum Itchen hin, Enten paddelten frohgemut in der
schnellen Strömung, klar und sauber das Wasser, jeder Stein
am Grund war zu erkennen. Können Enten eigentlich frohgemut
sein? fragte ich mich. Und gab mir selber die Antwort: ich denke
schon, denn sie sind ja hier in ihrem ureigenen Element, haben
alles was sie brauchen.
Der Rauch meiner Pfeife kräuselte sich zum Himmel und
ich dachte an die Bedeutung des Namens Golden Bar, Gold Stück
kann man es wohl übersetzen.
Ich versuchte mir Goldgräber
vorzustellen wie sie an einem Fluss mühselig und in harter
Arbeit versuchen, ein paar Gramm dieses kostbaren Minerals aus
dem Sand zu waschen.
Die Pfanne kreist und die Augen blicken gierig und hoffend
auf das Ausgeschwemmte. Gold, danach strebt und giert die Menschen
seit uralter Zeit, unternimmt die größten Anstrengungen
um es zu erreichen, zu besitzen.
Ich stelle mir die unendliche
Schlange von Goldsuchern vor die den Chilkoot Pass, die "Golden
Staircase" hinauf steigen um im Klondike River und am Yukon
aus dem gefroren Boden das Gold zu schürfen, zu waschen.
Not und Entbehrungen auf sich nehmend um vielleicht ein paar
Nuggets in der Pfanne zu haben.
Goldrausch, Goldfieber! Tausende und Abertausende Menschen
wurden davon erfasst. Der Ruf "Gold wurde gefunden"
ließ sie aufbrechen und in ferne Länder ziehen, alles,
aber auch wirklich alles hinter sich zurücklassend.
Bei all dem Nachdenken ging mir die Pfeife aus und ich zündete
sie erneut an. Er war etwas feucht der Tabak und brannte nicht
sonderlich gut. Möglicherweise ist es von Vorteil wenn man
ihn ein wenig austrocknen lässt, überlegte ich mir.
Wieder schaute ich dem Rauch nach
und dachte daran wie die spanischen Eroberer in Mittel und Südamerika
in ihrer Gier nach Gold die schlimmsten Untaten begingen, dachte
an die vergebliche Suche nach dem legendären Goldland ""El
Dorado" das nie gefunden wurde aber immer noch die Phantasie
der Menschen entzündet. Reich werden, dieser uralte Traum
des armen und geschundenen Menschen, nur für wenige ging
er in Erfüllung, und oft wurde er mit dem Leid anderer Menschen
erkauft.
Es begann zu regnen, heftig sogar und der Wind frischte auf.
ich kramte meinen Regenumhang aus dem Rucksack und machte mich
auf den Rückweg. Als ich wieder am Großen Alfred vorbeiging
öffnete sich die Wolkendecke und die Sonne brach einen Moment
hindurch. Das hochgehaltene Schwert in der Hand des Königs
leuchtete für ein paar Sekunden auf. Die Wolken schlossen
sich und alles versank wieder in einem dumpfen Grau.
Leider ist dieser Tabak nicht in Deutschland erhältlich.
Zu beziehen in GB bei http://www.smoke.co.uk/index.htm Preis 6.10
Pfund für 50 gr. Hergestellt wird er von Carrol´s.
|