Gawith & Hoggarth Ltd, Oxenfisl Twist

Joachim Acker

Ein eigenartiger Name für einen Tabak der aus den englischen Lakelands stammt, fürwahr. Wie dieser Twist seinen Namen, der ja nun gar nicht englisch war, erhielt, fragt sich nun sicherlich der Leser. Nun, das ist eine andere Geschichte, vielleicht wird sie einmal erzählt, vielleicht versinkt sie aber auch in den unerforschlichen Tiefen der Legende.

Wann machte ich zum ersten Male Bekanntschaft mit diesem Tabak? Laßt mich kurz nachdenken. Letztes Jahr im Frühjahr war es wohl, da brachten Daniel und Lothar die ersten Proben aus dem Lakedistrict mit.

Und dann lag er vor mir: eine dunkel glänzende Tabakwurst, im Durchmesser etwas größer als eines unserer früheren Markstücke, hart gepreßt und nach Tabak riechend. Wohlbemerkt: nach Tabak riechend. Nicht nach irgendeinem undefinierbarem Aroma, nein: unverfälschter ehrlicher Tabakgeruch. Und genauso unverfälscht und ehrlich kommt er auch in der Pfeife zur Geltung, aber das war etwas, das ich erst später, beinahe schon zu spät, bemerkte.

Aber ich will es lieber der Reihe nach erzählen:
Das erste Mal, ich kann mich noch genau entsinnen, rauchte ich ihn im Garten, beim Schneiden meines Quittenbaumes. Eine kleine Pause war angesagt, eine Kanne mit frischem Tee stand bereit und auf der Schneidunterlage lag der Oxenfisl. Dunkel glänzend von Außen, Innen von einem helleren Braun. Deutlich sah man im Querschnitt wie er gerollt, gewickelt wurde. Ein echter Twist, wohl wahr. Dünne Scheiben wurden abgeschnitten, einige aufeinander gelegt und zu einer kleinen Rolle zusammengedrückt. In die Pfeife kam unten etwas Gebrösel, die Twistrolle obendrauf und dann nochmal etwas Gebrösel, anzünden und die ersten Rauchwölkchen stiegen in den Vorfrühlingshimmel.

Wolkenverhangen war er, jeden Moment konnte es zu regnen beginnen, ein etwas frischer Wind wehte und ließ mich leicht frösteln. Der Garten, noch gezeichnet vom Winter, zeigte schon die ersten Ansätze der kommenden Fülle. Die Rosen hatten schon zartrötliche Triebspitzen, Krokusse und frühe Narzissen schoben ihre Blätter dem Licht und der Wärme entgegen. Im Hartriegelbusch tummelten sich ein paar Meisen, im Laub das den Boden bedeckt, scharrte eine Amsel emsig nach Futter. Die Luft roch nach Frühling, nach wachsen und gedeihen, nach Wärme und Sonnenschein.

Und ich saß auf der Bank und rauchte zum ersten Male den Oxenfisl und war enttäuscht. Flach und nichtssagend kam er mir vor, er ließ sich gut rauchen aber das war auch alles. Nun, man soll niemals aufgeben und einen Tabak vorschnell und übereifrig verurteilen und ihn als unnütz beiseite schieben.

In den folgenden Tagen präparierte ich mir immer wieder eine Pfeife mit diesem Twist. Dann, urplötzlich, wurde ich die wunderbare Fülle von diesem Tabak gewahr, seine natürliche Virginiasüße, seinen Geschmack: unaufdringlich und rein. Donnerwetter, dachte ich bei mir, welch ein Tabak, welch eine Köstlichkeit, beinahe hätte ich ihm Unrecht getan. Ja, was soll ich noch berichten? Mir fällt nichts mehr ein, nur noch soviel: Der Oxenfisl Twist gehört nun mit zu meinen erklärten Lieblingssorten.

Anmerkung:
Oxenfisl: eigentlich Ochsenfiesel, in manchen Gegenden auch Ochsenziemer genannt: Stecken oder auch Peitsche zum Treiben von Rindviechern. In früheren Zeiten auch Instrument zur körperlichen Züchtigung unfolgsamer Schüler.

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