Langsamrauchen

Rund um das Pfeiferauchen

Re: Langsamrauchen

Beitragvon FAx » 09.02.2018 12:47

Hi Alexander,

schundroman hat geschrieben:Lieber Jörg,

wie man beim Versuch langsam zu rauchen innerhalb einer Stunde eine neue Pfeife zum Durchbrennen bringen kann ist ja fast unglaublich. Bist du dir sicher, dass du nicht auf einem Speedsmoking Event warst? Vielleicht so in etwa wie beim Speeddating. 10 Minuten pro Tabak ...

Hektische Grüße, Alexander


ich bin mal auf einer deutschen Meisterschaft als Schiedsrichter eingesprungen, weil der Echte im Stau stand. Glaub mir: man kann das schaffen, den Glutherd so lange in der Pfeife umher zu schieben, bis das Holz anfängt zu kokeln. Ist übrigens ein zulässiger Grund, den Teilnehmer zum sofortigen Abbruch aufzufordern... "Hektisch" allerdings geht's da nun gar nicht vonstatten. Eher breitet sich kurz nach dem Anfeuern, also quasi dann, wenn man wieder was sehen kann, eine geradezu meditative Stille aus.
Auch wenn sich das nach Lästerei anhören könnte: ich will das Ganze beileibe nicht verunglimpfen. Meine Art, Tabak zu rauchen, ist es nicht. Aber Pfeifenraucher sind's allemal, da ändert auch der Wettbewerbsgedanke nichts dran. Wenn man mal in Ruhe überlegt, in was für vielfältigen Wettbewerbssituationen die Menschen rund um's Pfeiferauchen stehen: da könnte man so lange aussortieren, bis am Ende nur noch ein winziges Häuflein wirklich aufrechter, kultivierter Genießer übrig ist. Und wenn man dann rausfindet, dass selbst die noch darum wetteifern, wer denn nun der aufrechteste unter den Aufrechten und der kultivierteste unter den Kultivierten sei, dann steht man plötzlich, eh man sich's versieht, ganz dumm und einsam da.
Wenn ich mal als Idealbild des "reinen, echten Pfeife- und Tabakgenießers" denjenigen hinstelle, der ohne jedes Aufhebens und Bohei ganz einfach seit Jahren oder Jahrzehnten den Tabak, der ihm schmeckt, aus den Pfeifen raucht, die ihm gefallen, und sich dabei einfach still am Augenblick erfreut... glaub mir, da gibt's nicht mehr viele von. Definiere ich diesen Idealtypus dadurch, dass jeder Wettbewerbsgedanke hinsichtlich Pfeifen und Tabak ihm völlig fremd ist: dann ist er ebenso weit enfernt vom Sportraucher wie z.B. von demjenigen, der - zumindest teilweise - dadurch Motivation erfährt, dass er eine schönere Sammlung als XY haben möchte; dass er bessere Tabake als YZ besitzen möchte; dass er das Rauchen kultivierter als XYZ betreiben möchte; dass er durch beharrliche Suche und fachkundige Auswahl zwei Dutzend gebrauchte Stanwells zusammengetragen hat, keine teurer als 30 Euro, die hinsichtlich der Holzqualität den Highgrades des werten Pfeifenkollegen in Nichts nachstehen usw.
Den Hang zum Wetteifern werden wir fast alle bei uns finden, irgendwie und irgendwo... sofern wir danach suchen, natürlich.

Also, so gesehen: Brüder und Schwestern im Rauch, gar keine Frage :wink:

LG, Frank
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Re: Langsamrauchen

Beitragvon Gatsby » 09.02.2018 14:25

Wow Frank,

beeindruckende Analyse und meine volle Zustimmung!

Andi
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Re: Langsamrauchen

Beitragvon Pipendoge » 09.02.2018 15:04

Hallo Alexander,

schundroman hat geschrieben:...wie man beim Versuch langsam zu rauchen innerhalb einer Stunde eine neue Pfeife zum Durchbrennen bringen kann ist ja fast unglaublich...


bei diesem kleine interenen Wettbewerb, der ja auch nicht so bierernst gemeint war, durfte jeder eine eigene Pfeife verwenden. Es war wirklich interessant, den Ducrchbrenner zu sehen. Der Kamerad saß mir gegenüber, die Pfeife war eine Savinelli, sand, leicht gebogen, eher kleineres Volumen. Zuerst färbte sich der Kopfboden dunkelrot, dann beinahe weißglühend und dann viel das Zeug alles auf den Tisch :oops:

Beste Grüße

Jörg
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Re: Langsamrauchen

Beitragvon Pipendoge » 09.02.2018 15:24

Lieber Frank,

FAx hat geschrieben:...Den Hang zum Wetteifern werden wir fast alle bei uns finden, irgendwie und irgendwo... sofern wir danach suchen, natürlich....


Du sprichst mir vollkommen aus der Seele, genau so ist es und manche Aspekte, die Du genannt hast, kann ich in meinem eigenen Verhalten durchaus wiederfinden. Ich freue mich z.B. sehr, dass ich die Möglichkeit hatte, nicht nur vielen Pfeifenmachern persönlich begenet zu sein (Wettbewerbsfrage: Wer hat schon mal Björn of Sweden oder Gert Hobek persönlich getroffen?), sondern dass ich auch eine stattliche Anzahl an Pfeifenmachern in ihrer Werkstatt besuchen durfte (Wettbewerbsfrage: Wer war schon mal von Bo Nordh zum Grillen oder von Paolo Becker zum Abendessen und in die Eisdiele eingeladen worden?). Wenn ich bedenke, dass einige davon leider schon nicht mehr unter uns weilen, sind es unwiederbringliche Momente gewesen, die man durch nichts ersetzen kann.

Beste Grüße

Jörg
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Re: Langsamrauchen

Beitragvon G.S » 12.02.2018 13:39

Hi Frank und alle Nichtwettbewerber,
also jetzt habe ich das Ganze verstanden,
danke für deine ausführliche Erklärung und den Trost das die Langsam Raucher und Wettbewerber auch Freunde der Pfeife und des Tabaks sein können. :wink:

Anscheinend wären die Missverständlichkeiten gar nicht erst entstanden, wenn die Teilnehmer mit High Grades und GLP Tabaken ins Rennen gingen, aber so, mit vielleicht sogar billigen Zeugs.
Geht gar nicht.

LG
gerd
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Re: Langsamrauchen

Beitragvon Walnussfreund » 22.03.2018 00:04

Hallo lieber Jörg, Frank und alle Langsamraucherfahrene.

Was sich mir bei diesem Thema als erstes für eine Frage in den Kopf brennt: Gibt's da eine etablierte Vorgehensweise?

In meinem aktuellen Pfeiferaucherstadium fällt mir die Vorstellung schwer, wie dieses Ziel denn erreicht werden soll. Bei mir sind meine Pfeifen nicht immer von der erwarteten Dauer, mit Abweichungen nach oben, sowie auch nach unten.
Mir erschließt sich auch nicht ganz, wie beim langsamen Rauchen die Pfeife durchbrennen soll. Ich stelle mir das so vor, dass der Tabak gerade so am glimmen gehalten wird, um ein möglichst langsames Abbrennen zu erreichen. Heiße Pfeifen bringe ich eher mit Hast in Verbindung.

Wird da der Tabak etwa extrem fest gestopft und anschließend unter nahezu Dauerzug (wie ein schwacher Staubsauger) abgebrannt oder wie muss man sich das vorstellen?

Herzliche Grüße
Benedikt
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