minderwertiges Kunstoffmundstück oder doch Ebonit?

vom Pfeifenreiniger bis zur Poliermaschine

minderwertiges Kunstoffmundstück oder doch Ebonit?

Beitragvon Gruenkohl28 » 24.03.2017 16:48

Hallo ihr.

Die Geschichte:
Wie ich in meinem Vorstellungstheard geschrieben habe, besitze ich nicht besonders viele Pfeifen. Nachdem ich immer mehr Geschmack an Pfeifentabeken gefunden hatte, habe ich mir nach und nach eine Hand voll preisgünstiger Pfeifen zugelegt. Ich wollte etwas Auswahl haben, was verschiedene Kopfgrößen betrifft. Außerdem will ich ja auch in Phasen, in denen ich etwas mehr rauche, meinen Pfeifen genügend Ruhezeit geben können. Mehr war dann aber finanziell nicht drin.

So fand sich dann auch eine kleine Lesepfeife von "Jean Claude" bei mir ein. Das Mundstück ist aber kürzer, als bei normalen Lesepfeifen. Sie entspricht ganz gut dem, was es früher an Damenpfeifen gegeben haben soll. Am Anfang habe ich sie sehr gerne geraucht. Sie wurde recht schnell meine "Morgenpfeife", da der kleine Kopf für viele meiner Tabake ausreichend ist und die kürzere Rauchzeit morgens einfach perfekt ist (man muss ja dann auch irgendwann mal aus dem Haus - und zu viel Nikotin am Morgen war auch nicht so meins...). Kurz: Sie wurde recht häufig geraucht.

Das Problem:
Nach und nach fiel mir jedoch auf, dass da etwas nicht stimmt. Das Mundstück ist nämlich, wie sich rausstellte, nicht aus Acryl, sondern irgendeinem anderem, minderwertigem Kunstoff. Das ging trotzdem noch eine Weile gut. Dann traten grünlich-graue Verfärbungen an der "Mundseite" auf; die Oberfläche wurde dort porös. Ich pflege die Pfeife genauso gut, wie alle meine anderen. Die Art und Weise der Pflege entspricht ungefähr dem, was in den bekannten YT-Videos empfohlen wird und wie es auch die meisten anderen hier im Forum (nach dem, was ich so lese) zu machen scheinen. Ich reinige sie - auch das Mundstück - immer gründlich; kaue nicht darauf rum. Da das Mundstück etwas länger ist, nehme ich sie noch nichtmal mit aus dem Haus.
Am Anfang ließen sich die Verfärbungen noch ganz gut behandeln (tlw. einfach nur mit Wasser und Zellstoff). Inzwischen stinkt das gesamte Mundstück jedoch nach Plastik, nach Gummi, nach Autoreifen. Den entsprechenden Geschmack beim Rauchen könnt ihr euch sicherlich vorstellen. Kurz: Sie wird jetzt (d.h. 3 Jahre später) gar nicht mehr geraucht.

Meine Fragen:
Habe ich was falsch gemacht?

Was tun?

Gibt es eine Möglichkeit so ein Mundstück zu retten?

Ich könnte mir vorstellen die Pfeife zu retten, indem ich ihr ein richtiges Acryl-Munstück verpasse. Es wäre für mich in Ordnung, wenn sie hinterher nur noch eine "normale" London / Billard mit kürzerem Mundstück wäre. Da ich diesbezüglich völlig unerfahren bin: Worauf muss ich achten? Beim sehr vorstichtigen Probieren habe ich festfestellt, dass die Mundstücke meiner VAUEN-Pfeifen rein passen. Danpipe verkauft vorgedrehte Mundstücke nur mit passend gebohrtem Holzblock. Auf ebay fehlen bei fast allen Angeboten die Maße - und die Händler wirken auf mich tlw. nicht besonders vertrauenserregend. Halbwegs vernünftig aussehen sollte es dann natürlich auch noch...
Ein neues Mundstück hätte natürlich auch noch den Vorteil, dass dann der Filter richtig drin sitzt. Momentan muss ich die Filter immer einwenig bearbeiten, damit sie passen. Ich produziere einfach nicht genug Kondensat, damit er ausreichend aufquillt...

Die Pfeife hatte auch nur gut 30€ gekostet. Lohnt es sich überhaupt, da was zu machen?


Liebe Grüße

Philipp :(
Zuletzt geändert von Gruenkohl28 am 24.03.2017 23:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Problem mit minderwertigem Kunststoffmundstück

Beitragvon silver-spigot » 24.03.2017 19:02

Hallo Philipp,

schätz Dich glücklich, dass die Pfeife offenbar ein Ebonit-Mundstück hat. Der Naturkautschuk ist sehr viel komfortabler. Er ist andererseits aber auch empfindlicher und pflegebedürftiger als Acryl. Der grün-bräunliche Belag ist nichts weiter als austretender Schwefel. Gefördert wird die Unansehnlichkeit durch stetige Lichteinwirkung und/oder die Behandlung mit Wasser. Zum Glück ist der Zustand jedoch nicht irreparabel. Eine gute (Maschinen-)Politur sollte dem Mundstück wieder seinen alten, tiefschwarzen Glanz zurückgeben.
Viele Grüße
Jochen
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Re: Problem mit minderwertigem Kunststoffmundstück

Beitragvon Gruenkohl28 » 24.03.2017 23:07

Hallo Jochen,

ist das denn möglich, dass eine Pfeife, die ich für 30€ Neuware gekauft habe ein Ebonit Mundstück hat? Ich kenne mich damit leider nicht aus, da ich immer dachte, dass Pfeifen mit Ebonit-Mundstücken ohnehin jenseits meiner Preisklasse lägen, wenn ich sie nicht gerade als Estates erstehe. Erklärt das auch den Autoreifen-Gummi-Geruch und den dementsprechend schlechten Geschmack?


Gruß

Philipp
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Re: Problem mit minderwertigem Kunststoffmundstück

Beitragvon silver-spigot » 24.03.2017 23:24

Hallo Philipp
Gruenkohl28 hat geschrieben:ist das denn möglich, dass eine Pfeife, die ich für 30€ Neuware gekauft habe ein Ebonit Mundstück hat?

Ja, warum nicht. Es gibt natürlich Unterschiede sowohl in der Ebonitqualität als auch in der Fertigung. Ein handcut Mundstück in bester Materialqualität wirst Du nicht erwarten dürfen.
Erklärt das auch den Autoreifen-Gummi-Geruch und den dementsprechend schlechten Geschmack?

Nochmal ja. Wenn man bspw. ein stark verwittertes Ebonitmundstück vor der Hochglanzpolitur mit feinem Schleifleinen nass vorschleift, riecht es genau so!
Viele Grüße
Jochen
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Re: minderwertiges Kunstoffmundstück oder doch Ebonit?

Beitragvon Roncalli » 25.03.2017 14:00

Servus zusammen,

letzthin habe ich ein völlig grünes Mundstück mit einer Filzscheibe und grober Polierpaste ganz gut hinbekommen. Dann natürlich weiter mit anderen Scheiben und feiner Paste. War halt weniger Arbeit als mit Wasserschleifpapier. Ich arbeite recht rustikal mit einer im Schraubstock eingespannten Bohrmachine und Polierscheiben aus dem Baumarkt mit ca. 8-10 cm Durchmesser. Auf die Dauer währe das für die Bohrmaschine nicht optimal. Aber soviel mach ich auch nicht und die Maschine ist ein etwas kräftigeres Gerät.
Eine andere Methode ist: Etwas Essigsäure 60% in ein Glas, MS hineinstellen und ab damit in die Mirkrowelle. Höchste Stufe bis die Flüssigkeit kocht. Dann ist schon viel erreicht. Achtung auf die Nase, die Dämpfe sind ätzend! An der Luft abtrocknen lassen, danach nach Bedarf weiter arbeiten.
In der Tat sind die Ebonit MS von teilweise sehr unterschiedlicher Qualität, wie Jochen bereits schrieb. Billige laufen schnell wieder an. Besonders wenn man sie im Mund behält weil man die Hände frei haben will.

Beste Grüße,
Hannes
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Re: minderwertiges Kunstoffmundstück oder doch Ebonit?

Beitragvon Ch. Demian » 25.03.2017 15:53

Hallo Hannes, Leute...

durchwachsenes Bild an Vorschlägen. Bevor her jemand sich unglücklich macht:

Roncalli hat geschrieben:... mit einer Filzscheibe und grober Polierpaste ... weiter mit anderen Scheiben und feiner Paste...


Ja, so macht man das.

Roncalli hat geschrieben:... andere Methode ... Essigsäure 60% ... Mirkrowelle...


Ja, so macht man es wenn viel YT-Tips und viel Essigdampf inhaliert hat. Mit anderen Worten, Leute, lasst es mal mit
diesen "Opa Schnur empfiehlt auf YT..."-Idiotien. So etwas wie Wunder, gibt es einfach nicht. Es gibt keine Möglich-
keit den urprünglichen Hochglanz drauf zu kriegen, außer mit dem Aufbringen desselben (und schon gar nicht durch
die Verwendung diverser Körperausscheidungen - echt jetzt!). Es gibt keine Möglichkeit mit Essig und dem Flüstern von
Zauberformeln die oxidierte Schichte vom Ebonit runter zu kriegen. Das geht nur mit "Runterkriegen". Man kriegt von
all diesen Tips allenfalls einen weichen Keks und das erklärt schon, warum die, die es ausprobieren, es weiter tragen.
Speziell mit diesen Auskoch- und Einweich-Tips macht man sich unglücklich. Alles was eigentlich zum Reinigen von
Toiletten gedacht war, hat in der Nähe von Pfeifen nichts verloren - so verlockend es auch sein mag (so erscheint
es jedenfalls, sieht man sich diese Hausmannentips mit Chemie vom Pöttchen an). Nichts, was der eigene Körper so
an Substanzen hergibt, tut Pfeifen gut. Und vor allem: glaubende Gemeinde zum Heiligen YouTuber, glaubet nicht
den einen alles vermeintlich in die Nähe der Orthodoxie rückenden Satz: "Die Pfeifenmacher tun es genau so."
Aber sowas von nicht - kein Pfeifenmacher tut es so! Hier sind einige an Board, fragt mal nach, wenn Euch ein
YT-Prophet wieder mal erzählt, die Pfeifenmacher würden dieses oder jenes auch so machen und dann Tips folgen,
bei welchen einem eigentlich schon der gesunde Menschenverstand sagt, "Alter, ich geh gleich ein."

@Hannes, das ist nicht persönlich gemeint. Ich habe bei jedem weiteren YT-"Tip" mehr und mehr das Gefühl, langsam
bewegen wir uns in Richtung Voraufklärung. Nur weil YT jedem, der will schon eine bestimmte Authorität zu verleihen
scheint. Sendungsbewußtsein reicht nicht aus.

LG

Chris
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Re: minderwertiges Kunstoffmundstück oder doch Ebonit?

Beitragvon FAx » 25.03.2017 16:35

Hi Philipp, liebes YT...Quatsch, P&T,

es war mal, bevor das Acryl als Mundstücksmateriel Einzug hielt, absolut üblich, auch Pfeifen der unteren Preiskategorien mit Ebonitmundstücken auszustatten. Da die Herstellung von Mundstücken aus Vollmaterial aber viel zu zeitraubend ist, um eine Pfeife dann noch zum kleinen Preis verkaufen zu können, wurden sogenannte Preßlinge benutzt. Das sind in eine Form gepreßte, quasi halb- bis dreiviertelfertige Mundstücke, die schon einen Rauchkanal, einen Fächer, Biß, Lippen, ggf. Sattel usw haben, sowie einen Zapfen, der nur noch etwas nachgedreht werden muss. Diese Rohlinge erfordern ein Minimum an Nacharbeit und sind, einmal verbaut, von handgemachten Mundstücken kaum noch zu unterscheiden. Der Haken ist, dass es Ebonit (und damit auch Preßlinge) in sehr unterschiedlichen Qualitäten gibt. Die ganz billigen erkennt man daran, dass sie meistens schon beim Händler grün, oder mindestens mit leichtem "Mehltau", aus der Schublade kommen. Je schlechter das Ebonit, desto schneller oxidieren die Dinger.
Zum Beseitigen der unapetitlichen Oberfläche taugt, wie Chris schon schrieb, nur das mechanische Abtragen der oxidierten Schicht und ein ordentliches Aufpolieren der freigelegten frischen Schicht. Je schlechter das Ebonit, desto tiefer sitzt der Grau-grüne, sauer schmeckende Unrat im Material. Blöd ist, dass das Aufarbeiten meistens nur für den ersten Rauchgang taugt; danach bilden sich schon wieder helle Kränze. Dran machen kann man nix; ein bißchen vorbeugen kann man allerdings, indem man nach der Politur etwas Carnauba aufträgt. Das ist geschmacksneutral, unschädlich, und schützt das Ebonit eine Weile zumindest vor dem Speichel (das Sonnenlicht tut dann immer noch das Seine...). Wenn einem die Pfeife wirklich lieb und teuer ist, läßt man sich am besten ein neues MS aus gutem Ebonit oder Acryl anfertigen. Da sollte auch der ursprüngliche Kaufpreis kein Argument dagegen sein, denn bei einer Pfeife, die funktioniert, schmeckt und gefällt, geht's ja immerhin um viele Jahre, die sie mit einem ordetlichen MS ihren Dienst tun kann. Ganz egal, ob sie nun 30, 300 oder 3000 Euro gekostet hat.

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Re: minderwertiges Kunstoffmundstück oder doch Ebonit?

Beitragvon Roncalli » 25.03.2017 19:27

Servus Chris, alle,

ich verzapfe hier nichts was ich nicht selbst probiert habe. Wenn etwas nicht taugt gebe ich es auch nicht weiter, sondern kritisiere es!
Einmal Essig und alles ist gut habe ich auch nicht behauptet. Ich habe mir etwas Arbeit erpart. Nicht jeder hat eine Werkstatt zur verfügung und muß deshalb viel Handarbeit am Küchentisch leisten. Es führt auch zu Erolg, ist halt sehr mühsam.
Übrigends, ich bin nicht unglücklich :wink:

Beste Grüße,
Hannes
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Re: minderwertiges Kunstoffmundstück oder doch Ebonit?

Beitragvon FAx » 25.03.2017 20:14

Hallo Hannes,

ohne jede Ironie oder sonstwas in der Richtung würde ich einfach mal nachfragen: wie ist das genau zu verstehen, dass Du Dir etwas Arbeit erspart hast? Was genau hast Du Dir durch das Essigbad erspart? Hast Du das verglichen? Konventionelles Aufarbeiten mit Essigmethode? Und wie genau sieht dann der Unterschied aus? Ist wirklich Interesse, kein hämisches Nachhaken.

Zu der Werkstattfrage: um ein Mundstück konventionell aufzuarbeiten, braucht man eine Bohrmaschine mit Tischhalterung, Stoffscheiben und Polierwachs sowie etwas Schleifleinen. Das ist weder aufwändiger noch teurer als die Anschaffung einer Microwelle und eines Bechers Essigsäure. Zumal ja danach wahrscheinlich trotzdem noch geschliffen und poliert werden muß?

Erkläre doch mal den echten, objektiven Vorteil dieser Methode.

LG, Frank
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Re: minderwertiges Kunstoffmundstück oder doch Ebonit?

Beitragvon silver-spigot » 25.03.2017 22:16

Hallo Hannes,
steht oder liegt das Mundstück im kochenden Essig, also ein richtiggehendes "Essigbad", wie Frank schrieb? Und was wird aus der Mundstückform? Ebonit wird ja durch leichte Erwärmung bereits weich und biegsam. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, was dann erst beim Kochen passiert. Das muss doch schlackern wie eine aufgedrehte Lakritzschnecke...
Viele Grüße
Jochen
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