Fleckigen, "verschossenen" Stanwell-Kopf aufarbeiten.

vom Pfeifenreiniger bis zur Poliermaschine

Fleckigen, "verschossenen" Stanwell-Kopf aufarbeiten.

Beitragvon A.Frankau » 28.07.2017 08:46

Hallo,

nach langer Suche habe ich endlich mein Stanwell Lieblings-Shape #156 (Ich liebe Bulldogs!) auftreiben können. Gemarkt ist sie mit "Stanwell, Royal Rouge, Handmade in Denmark". Das Ebonit-Mundstück ist mit goldenem (messingfarbenen?) gekröntem "S" gemarkt und hat einen Zapfen für 9 mm Filter.

Die Pfeife befand (befindet, s.u.) sich in einem recht erbärmlichen aber solidem Zustand. Das ziemlich vergilbte und innen sehr versotterte Mundstück habe ich bereits aufgearbeitet und poliert. Das "S" mit Krone ist dabei zum Glück einigermaßen erhalten geblieben :D. Einzig die recht kräftigen Bissspuren konnte ich noch nicht entfernen. Tipps nehme ich gerne da gerne entgegen.
Den nach unten hin immer dicker werdenden (2-3 mm!) Cake im Kopf habe ich komplett ausgeräumt und das Zapfenloch habe ich auch grundgereinigt. Das Zugloch habe ich mit einen 3,5 mm Bohrer wieder hergestellt. Eine Salz/Alk.-Behandlung ist zunächst nicht zwingend erforderlich. Zieht man an nun an der ungefüllten Pfeife schmeckt sie beraucht aber neutral.

Nun das eigentliche Problem:
Der Kopf hat keine Kratzer (und nur eine kleine Kittstelle), ist leider aber stellenweise abgegriffen, stumpf und fleckig. Die letzten matt glänzenden Stellen verschwanden, als ich den Kopf mit einem feuchten Lappen abgewischt habe. Die Farbe sieht irgendwie verschossen oder ausgeblichen (von Sonneneinstrahlung oder Abgriff) aus. An der Unterseite des Holms und im Knick am Übergang Holm/Kopf ist ,glaube ich, noch der ursprüngliche rote Farbton (Royal Rouge?) zu erkennen. Aber am Kopf selber ist davon an nur wenigen kleinen Stellen noch etwas zu erahnen. Er ist größtenteil irgendwie schmutzig bräunlich (mal heller mal dunkler) und weist dort dunklere Stellen auf, wo man den Kopf üblicherweise mit Daumen und Fingern umgreift.

Wie kann ich den Kopf nun (möglichst in der originalen Farbe) wiederherstellen? Muss ich ihn komplett von der (verbliebenen) Beize befreien und neu beizen? Wie gehe ich dabei vor? Reicht es ihn mit feinem Sandpapier (600 oder 800) abzuschleifen (gehen die Stempelungen dann flöten?) oder muss ich noch weitere Mittel wie Isopropanol oder Aceton dazu einsetzen.
Und mit welchem Farbton soll ich ihn dann beizen und womit versiegeln, damit ich ungefähr den Originalfarbton erreiche.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir helfen könntet!

Viele Grüße

Werner
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Re: Fleckigen, "verschossenen" Stanwell-Kopf aufarbeiten.

Beitragvon Maigret » 28.07.2017 09:09

Hallo Werner,
schau mal hier: http://www.pipendoge.de/Aufarbeiten.htm

Da findest Du alles,was Du wissen musst.

Gruß Jens
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Re: Fleckigen, "verschossenen" Stanwell-Kopf aufarbeiten.

Beitragvon A.Frankau » 28.07.2017 09:31

Hallo Jens,

danke für deine Antwort. Die Seite kenne ich und finde Sie auch recht hilfreich als Einstieg . Aber genau das, was ich brauche, eine "Anleitung" zur Wiederherstellung einer farblich inhomogenen Pfeifenkopfoberfläche mit defektem Finish, finde ich dort leider nicht.

Viele Grüße

Werner
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Re: Fleckigen, "verschossenen" Stanwell-Kopf aufarbeiten.

Beitragvon Rheinlaender » 28.07.2017 15:06

Hallo Werner,

möglicherweise bringen schon eher sanfte Methoden eine Verbesserung. Ich denke, dass Schleifpapier und Beize die Ultima Ratio sind, wenn das Äußere der Pfeife gar nicht mehr zu retten ist, oder wenn man ohnehin eine grundlegende Neugestaltung im Sinn hat.

Eine recht abgegriffene Peterson 301 hatte ich mit Presto Polierpaste behandelt (z.B. Hornbach, Obi). Mit dieser und einem sauberen, glatten Tuch habe ich die Pfeife sanft poliert. Dabei wird nicht nur der letzte Rest Schmadder von der Oberfläche abgetragen. Auch ein Hauch der Originalbeize poliert sich mit herunter. Das schafft im Idealfall wieder eine recht homogene Oberfläche, ohne dass sich die Farbe der Pfeife grundsätzlich ändern würde.
Natürlich ist etwas Gefühl gefragt, auch wenn die Presto Polierpaste sanft und wenig aggressiv ist.

Die Polierpaste enthält auch etwas Carnaubawachs, so dass die Holzoberfläche nach der Behandlung leicht glänzend wird und sich weniger stumpf anfühlt.

Um dem Holz etwas mehr Tiefe zu geben, kann man mit einem sauberen weichen Tuch etwas Ballistol auftragen und einpolieren. Das sollte die Optik zusätzlich auffrischen.
Manche empfehlen hierfür auch Paraffinöl. Allerdings verträgt sich dieses wohl nicht mit allen Beizen, so dass vorab ein Test an unauffälliger Stelle zu empfehlen ist.

Bei meiner Peterson hat diese Behandlung wieder zu einem zufriedenstellenden Gesamteindruck geführt.
Trotzdem: Alle Tipps und Hinweise ohne Gewähr. Jede Pfeife ist letztendlich anders.

Viel Erfolg beim Aufarbeiten deines Traumstücks
Michael
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Re: Fleckigen, "verschossenen" Stanwell-Kopf aufarbeiten.

Beitragvon A.Frankau » 31.07.2017 08:23

Hallo Michael,

dank deiner mutmachenden Worte habe ich mich am Freitagabend der Pfeife nochmal einige Stunden unter Einsatz deiner vorgeschlagenen sanfteren Methoden gewidmet.

Es hat sich gelohnt! :D Die Presto Polierpaste konnte ich mir am Wochenende leider nicht mehr besorgen, aber durch mehrmaligen Einsatz der Ballistol/Stahlwolle-Methode und einer anschließenden Politur mit Carnauba habe ich die Pfeife in einen optisch mindestens zufriedenstellenden Zustand versetzen können. Sie ist farblich zwar nicht so homogen geworden wie ich es mir wünsche, aber - und das ist ja das wichtigste - es macht wieder Freude sie zu benutzen und dabei anzusehen und ich bin froh dieses Shape endlich mein Eigen nenne zu können!
Wenn das nächste Mal eine äußerliche Reinigung notwendig ist, werde ich es auch mal mit der Presto-Paste probieren. Vielleicht wird sie dann farblich noch etwas homogener.

Viele Grüße

Werner
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Re: Fleckigen, "verschossenen" Stanwell-Kopf aufarbeiten.

Beitragvon Rheinlaender » 31.07.2017 09:11

Hallo Werner,

freut mich, dass dein Traumstück dich jetzt auch wieder mit äußerlichen Werten glücklich macht. Es ist wirklich ein schönes Gefühl, wenn man einer schönen Pfeife wieder Leben eingehaucht/eingeraucht hat. ;)

Tschüs
Michael
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Re: Fleckigen, "verschossenen" Stanwell-Kopf aufarbeiten.

Beitragvon Pipendoge » 31.07.2017 13:29

Hallo Werner,

da Jens Dich auf meine Seite verwiesen hat und Du dort Dein Problem nicht lösen konntest, versuche ich mal eine Antwort.

A.Frankau hat geschrieben: eine "Anleitung" zur Wiederherstellung einer farblich inhomogenen Pfeifenkopfoberfläche mit defektem Finish, finde ich dort leider nicht.


Es ist schwierig, den Originalfarbton bei abgegriffenen Pfeifen wiederherzustellen. Wenn man es wirklich richtig machen will, muss man zwangsläufig das Holz abschleifen, wobei Stempel usw. dann flöten gehen oder aber deutlich flacher werden oder aber man klebt die Stempel ab. Dann brauch man aber 100% den gleichen Farbton zum neu beizen, was sehr schwierig ist. All das würde ich lieber einem versierten Pfeifenmacher überlassen, nur haben versierte Pfeifenmacher gar keine Zeit, sich mit so etwas zu beschäftigen und das ganze lohnt sich für einen Profi auch nur, wenn die Pfeife vom Wert her den Aufwand rechtfertigt. Eine Pfeife für 50.- € aus der Bucht beim Pfeifenmacher für 150.- € aufbauen zu lassen, macht nicht unbedingt Sinn.

Ich persönlich helfe mir wie folgt: Ich nehme eine etwa passendes Beize, die ich bei Bedarf verdünne (bitte vorher an einem Stück Holz ausprobieren, wie der Effekt ist, wenn die Beize trocken ist). Diese Beize trage ich dann behutsam (Nasen vermeiden) auf die Pfeife auf und wische Überstände mit Küchenpapier ab. Das kann ich auch mehrfach wiederholen, bis alles schön homogen ist. Nach dem Trocknen (ein/zwei Tage) streiche ich dann die Pfeife mit verdünntem Schell- oder Zapponlack ein. Auch hier die Überstände rasch abwischen. Nach dem Trocknen (zwei/drei Tage) kann die Pfeife dann poliert werden. Sollte nach dem Trocknen noch sichtbare Lacknasen zu sehen sein, kann man die vor dem Polieren vorsichtig mit 000er Stahwolle entfernen.

Ich will diese Prozedur nicht als Allheilmittel verstanden wissen. Aber ich habe damit schöne Erfolge erzielt, auch im Super-Highgrade-Bereich (Bo Nordh, Sixten, Lars, Jess) und die jeweiligen Eigentümer waren begeistert.

Beste Grüße

Jörg
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(Sergey Aylarov, Pipes & Tobaccos, 2009; 14/3; p. 44)
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Re: Fleckigen, "verschossenen" Stanwell-Kopf aufarbeiten.

Beitragvon hampi21 » 31.07.2017 14:10

Hallo Werner,

ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Polierset von Danpipe gemacht. Dort sind zwei Wachse (Vor- und Endpolierwachs) und zwei Polierscheiben für die Bohrmaschine enthalten.
Ich habe mir dann noch eine Vorrichtung aus dem Baumarkt besorgt, bei der man die Bohrmaschine an eine Werkbank montieren kann.

Mit dieses Wachsen und der Maschine bekommt man sehr gute, homogene Ergebnisse hin und bringt die Pfeife auf einen höheren Glanzgrat, als mit der Hand. Ich habe mir noch Carnaubawachs und eine weitere Scheibe dazu gekauft. Ich bin von den Ergebnissen begeistert und übermässig teuer finde ich es, für das was man dafür geboten bekommt, auch nicht.

Und so eine Pfeife mit "Lebenerfahrung" hat doch auch etwas....

Manuel
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Re: Fleckigen, "verschossenen" Stanwell-Kopf aufarbeiten.

Beitragvon A.Frankau » 01.08.2017 07:46

Hallo Jörg,

danke für deine Rückmeldung. Deine Methode mit einer möglichst passenden Beize aufzuarbeiten werde ich eventuell nochmal aufnehmen. Allerdings habe ich die Pfeife jetzt ja schon am Polierbock mit Carnaubawachs poliert. Diese Wachsschicht müsste ich vor dem Auftrag der Beize jedoch wieder entfernen, oder!?

Viele Grüße

Werner
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Re: Fleckigen, "verschossenen" Stanwell-Kopf aufarbeiten.

Beitragvon A.Frankau » 11.08.2017 08:35

Hallo interessierte Mitleser,

nachdem sich die Carnauba-Politur ruck-zuck abgegriffen hat, da ich das Wachs vermutlich zu dick aufgetragen habe oder die Untergrundvorbereitung nicht gut genug war, bin ich nun mit der Presto Polier- und Schleifpaste mehrmals an den Kopf rangegangen. Das hat richtig was gebracht! Die zuvor noch dunklen Bereiche sind heller geworden und die Maserung dort ist deutlich hervorgetreten. Auch der Kopfrand hat von der Maßnahme nochmals profitiert. Der zuvor hellere Bereich holmseitig oberhalb der "Bulldog-Ringe" ist natürlich etwas heller geblieben, aber die Oberfläche war nun insgesamt homogener als vorher. Der Kopf fühlte sich geschmeidig und glatt an, war jedoch nur mattglänzend. Dann habe ich den Kopf mit dem Briar-Polish von Kebrab (bei dem ich beim Einsatz zur Pflege an intakten Pfeifenköpfen bisher keine Wirkung erkennen konnte') eingerieben und poliert. Der Glanz war nun schonmal seidenmatt. Zum Schluss habe ich nochmal an der Scheibe mit Carnauba - diesmal sparsamer eingesetzt und mit geringerer Drehzahl - poliert. Nun bin ich sehr zufrieden mit der Erscheinung der Pfeife. Sie fühlt sich super an, glänzt und man hat diesen leichten "3D-Eindruck" der Maserung unter der glänzenden Oberfläche. Und rauchen tut sie sich auch sehr gut. :D

Danke für Eure Tipps und Ermutigungen!

Viele Grüße

Werner
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