Aufarbeitungsservice / Innenreinigung

vom Pfeifenreiniger bis zur Poliermaschine

Aufarbeitungsservice / Innenreinigung

Beitragvon Ralle » 22.01.2018 15:38

Hallo zusammen,

Wenn ich mal wieder was von mir lesen lasse, dann natürlich eine Frage... ;-)

Mir schwebt vor hier bei mir im Umkreis einen kleinen Pfeifenaufarbeitungsservice anzubieten und mir wenn's funktioniert ein wenig Taschengeld dazu zu verdienen. Rein hobbymässig.

Nun meine Frage: Es kann doch nicht sein, dass Pfeifenbauer die ebenfalls einen Aufarbeitungsservice für zB 20 - 35 € anbieten in der die Innenreinigung (also mit Alkohol und so weiter) inkludiert ist, oder?
Wird da in der Regel nicht nur die Rauchkammer ausgeräumt (ev. Einrauchpaste) und die Aussenreinigung plus Polierung gemacht?
Ich kann mir sonst nicht vorstellen wie man sonst auf so einen Betrag kommen kann. Unter Umständen kann so eine Reinigung ja mehrere Stunden dauern.

Wie seht ihr das?

Danke schon mal
Grüsse
Ralph

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Re: Aufarbeitungsservice / Innenreinigung

Beitragvon Gatsby » 22.01.2018 16:52

Hallo Ralph,

ich kann Dir das nicht sicher sagen, aber wenn ich mir die Preise anschaue, die online für manche gebrauchte Pfeifen im Vergleich zu gleichwertigen aufgearbeiteten Estates gezahlt werden, frage ich mich auch immer, wie schnell diejenigen denn arbeiten. Also entweder es wird geschludert, oder manche Leute machen dass wirklich mehr aus Spass an der Freude. Ich war bei den Aufarbeitungsaufträgen, die ich über meinen Händler vergeben habe und bei den bisher erworbenen Estates immer sehr zufrieden und konnte kein Ghosting o. Ä. feststellen. Daher würde ich zumindest in manchen Fällen davon ausgehen, dass nicht wirklich Stundenlohn verlangt wird und die Arbeit mehr als Art Liebhaberei betrieben wird...

VG
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Re: Aufarbeitungsservice / Innenreinigung

Beitragvon Pipendoge » 22.01.2018 17:32

Hallo Ralph,

das ist ein spannendes wie heikles Thema, weil es verschiedene Aspekte hat, die es zu berücksichtigen gilt.

Pfeifenmacher, die Pfeifenaufarbeitung als Leistung anbieten, kenne ich gar nicht. Wenn etablierte Pfeifenmacher mal eine Pfeife aufarbeiten, dann als Service, weil sie den Besitzer gut kennen bzw. mit ihm befreundet sind und weil es vielleicht um eine Pfeife von eben diesem Pfeifenmacher geht. Gern machen sie das auf keinen Fall, eben weil sie, bei dem zeitlichen Aufwand, der zu betreiben ist, in der selben Zeit eine neue Pfeife gemacht hätten. Wenn also ein Pfeifenmacher für eine Pfeifenaufarbeitung 25.- bis 35.- € verlangt, ist das ein Gefälligkeitspreis.

Anders mag das wieder sein, wenn jemand sich auf Pfeifenreparaturen (Mundstücke, Holmbrüche) usw. spezialisiert. Diese Person hat dann vermutlich eine Ausstattung in der Werkstatt, mit der z.B. der Kopf maschinell ausgeschliffen wird usw. Und er wird Routine haben und , bei entsprechender Auftragslage, auch nicht eine Pfeife nach der anderen komplett aufarbeiten, sondern vielleicht erstmal 10 Köpfe ausschleifen, dann 10 x Salz-Alkohol-Behandlung, dazwischen 10 Mundstücke reinigen und polieren usw. Dann können die genannte Preise schon eher realistisch sein.

Die nächste Frage ist, was ein Kunde bereit ist zu zahlen. Wenn ich z.B. für die Aufarbeitung einer zwar liebgewonnenen, aber sehr strapazierten Pfeife mehr bezahlen soll, als sie neu gekostet hat, muss man die Pfeife schon sehr lieben. Anders ist es, wenn es sich um eine richtige Highgrade handelt, die, sagen wir mal 900.- € gekostet hat. da würden mich vielleicht 100.- € nicht jucken, wenn das Ergebnis gut ist. Bei einer Stanwell für 120.- € wäre das vermutlich anders.

Noch ein weiterer Aspekt ist, was der Kunde mit der Pfeife machen will. Ich habe viele richtige Super-Highgrades (Bo Nordh, Sixten Ivarsson, Lars Ivarsson, Jess Chonowitsch) für einen befreundeten Händler aufgearbeitet. Dabei war mir und ihm klar, dass sich der erzielbare Verkaufserlös durch die gekonnte Aufarbeitung um locker 1000.- bis 2000.- € pro Pfeife erhöht hat. Und bei sowas gibt es dann auch keine Diskussion, wenn ich für die Aufarbeitung ca. 200.- pro Pfeife ansetze.

Ich habe übrigens sehr ungern bzw. nur ein mal Geld für das Aufarbeiten genommen: Ich hatte mit meinen Kunden die Absprache, dass ich eine von 10 Pfeifen als Lohn für meine Bemühungen behalten darf, wobei ich immer darauf geachtet habe, mir Stücke vom unteren Ende der Preisskala auszuwählen, weshalb es da auch nie Probleme gab. Mein Maler z.B. raucht nur Dunhill und wenn er aller paar Jahre kommt, bringt er fünfzehn bis zwanzig Pfeifen mit, die ich ihm aufarbeite, während er malert. Ich bin dann ohnehin zu Hause. Dafür stellt er mir dann einen gemalerten Raum nicht in Rechnung.

Beste Grüße

Jörg
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Re: Aufarbeitungsservice / Innenreinigung

Beitragvon getz » 22.01.2018 18:29

Servus Jörg,

paß auf, daß niemand vom Finanzamt mitliest :-)

Gruß

Stephan
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Re: Aufarbeitungsservice / Innenreinigung

Beitragvon Ralle » 22.01.2018 18:37

Danke Andi und Jörg für die Feedbacks,

@Jörg: Das Mundstück sowie das Polieren und das räumen des Kopfes (inkl. Salz/Alkohol) wäre auch nicht mein Problem, sondern der Holm.
Viele hier wissen wie zeitaufwändig die Reinigung mit Pfeifenreiniger und Wattestäbchen sein kann und ich kann mir jetzt auch keine "Maschine" dafür vorstellen.

zB ein Pfeifenbauer in Tirol bietet eine Generalüberholung (Mundstück und Pfeifenkopf polieren, auskratzen der Rauchkammer, etc. (Zitat von der HP)) an zu 25,-- €.
Daneben auch Reparaturen.

Bei Estates die ich dann weiterverkaufen kann werde ich natürlich schon das komplette Programm liefern.
Grüsse
Ralph

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Re: Aufarbeitungsservice / Innenreinigung

Beitragvon Pipensmöker » 22.01.2018 20:54

Halo Ralph,

Ralle hat geschrieben:@Jörg: Das Mundstück sowie das Polieren und das räumen des Kopfes (inkl. Salz/Alkohol) wäre auch nicht mein Problem, sondern der Holm.
Viele hier wissen wie zeitaufwändig die Reinigung mit Pfeifenreiniger und Wattestäbchen sein kann und ich kann mir jetzt auch keine "Maschine" dafür vorstellen.


Mit NUR Pfeifenreinigern und Wattestäbchen kommst Du bei einer versifften Pfeife im Holm zu langsam voran. Das kann äußerst frustran sein. Hier muss man mit härterem Gerät ran. Z.B. kann man erst die Salz-Alk-Methode durchführen und direkt im Anschluss daran die Holmbohrung (zumindest in der Tiefe) mit schwererem Gerät vom (nun aufgeweichten) Teer-Siff befreien ( ich wende die Salz-Alk-Methode auch am Holm und nicht nur in der Brennkammer an). Ich persönlich scheue nicht davor zurück hierfür sog. "scharfe Löffel" zu benutzen, die ich in allen erdenklichen Größen besitze.
Die Salz-Alk-Methode wende ich oft mehrmals an, sodass eine Aufarbeitung durchaus auch einmal einige Wochen in Anspruch nehmen kann.
Mein Kriterium für eine gelungene Aufarbeitung ist ganz einfach: Die Pfeife muss danach vollkommen neutral schmecken.
Natürlich sollte sie auch äußerlich adrett hergerichtet sein. "Nur Aufpolieren" ist für mich jedoch nicht "aufarbeiten", sondern eben "nur aufpolieren"...

Viele Grüße

Durmus
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Re: Aufarbeitungsservice / Innenreinigung

Beitragvon pipe4ever » 22.01.2018 22:06

Hallo aufarbeitende,

Mit NUR Pfeifenreinigern und Wattestäbchen kommst Du bei einer versifften Pfeife im Holm zu langsam voran...
...Die Pfeife muss danach vollkommen neutral schmecken...


Bisher ein Einzelfall war mein Ergebnis, eine widerwärtig nach Moder riechende Pfeife mit allen mir bekannten Methoden zu neutralisieren versuchen:
Salz-Alk, Zitronensäure, Aktivkohle im Backofen...nix hat letzlich geholfen. Diese eine Pfeife musste ihren Weg in die Mülltonne finden, hätte mich nicht getraut dieses Ding einem Anderen von uns anzudrehen. Mein Backofen riecht jahrelang später auch heute noch nach diesem unbeschreiblichen Moder.

mfg, mark
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Re: Aufarbeitungsservice / Innenreinigung

Beitragvon Pipensmöker » 22.01.2018 23:05

Hallo Mark,

wenn der Modergeruch von Schimmel herrührt, dann ist wirklich Hopfen und Malz verloren.
Ich hatte auch schon solche Pfeifen. Da gibt es nur eins: Nicht lange herummachen, sondern ab damit in die Mülltonne!
Wenn man einige Pfeifen aufgearbeitet hat, bekommt man irgendwann ein Gefühl dafür, was geht oder was einfach keinen Sinn mehr macht.
Irgendwo muss man da eine Grenze ziehen...

Viele Grüße

Durmus
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Re: Aufarbeitungsservice / Innenreinigung

Beitragvon Gatsby » 23.01.2018 09:22

Hallo Durmus,

kurze Zwischenfrage: Wie können denn Pfeifen anfangen zu schimmeln? Ich bin jetzt nicht der penibelste Putzer, daher die Frage...

Danke schon mal.

Andi
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Re: Aufarbeitungsservice / Innenreinigung

Beitragvon TeBe » 23.01.2018 11:35

Hallo Andi.

Dort, wo sich Feuchtigkeit niederschlägt, die nicht trocknen kann, kann Schimmel entstehen. Schimmelsporen sind überall in der Luft. Wenn die Pfeife nach der Benutzung nicht gereinigt und vor allem nicht an einem trockenen, belüfteten Ort gelagert wurde, bildet sich durch das Kondenswasser mit der Zeit Schimmel. Man muss die Pfeife deswegen nicht penibel putzen, aber den Tabakrest und den Filter sollte man auf jeden Fall entfernen.

Gruß, Thomas
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Wer nicht zu sündigen wagt, begeht die größte Sünde. (Erasmus von Rotterdam)
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