Rauchkanal aufbohren

vom Pfeifenreiniger bis zur Poliermaschine

Re: Rauchkanal aufbohren

Beitragvon TeBe » 12.01.2018 08:49

Moin allerseits.

Ich denke, das Aufbohren des Rauchkanals im Pfeifenkopf bringt nur was, wenn der Rauchkanal im Mundsück vorher größer war. Also z.B. wenn im Kopf eine 3mm und im Mundstück eine 4mm Bohrung war. Wenn beide gleich groß sind, dann bringt die Aufbohrung nichts, weil der Durchlass im Mundstück gleich bleibt. Dadurch ändert sich der Zugwiderstand nicht.

Gruß, Thomas
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Re: Rauchkanal aufbohren

Beitragvon Walnussfreund » 26.03.2018 22:54

Servus Thomas.

Ja, so schreibt es einem die menschliche Logik vor, die Physik jedoch lehrt uns hier etwas anderes.
Auch durch das Aufbohren eines nur begrenzten Abschnitts (hier der Rauchkanal) wird das Volumen erhöht und somit insgesamt die Strömungsgeschwindigkeit verringert. Und somit quasi auch die aufzuwendende Zugkraft, bei gleichbleibend durchströmender Masse (Rauch).

Als Gedankenexperiment stellt man sich einfach mal vor, ob es mehr Kraft benötigt einen etwa 25cm langen Trinkhalm zu durchpusten oder einen auf fünf Zentimeter Reduzierten. Und beim Pfeife rauchen entscheiden ja eigentlich immer die kleinsten Nuancen, welche bekanntlich von jedem Anfänger erst mal erfühlt werden müssen.

Herzliche Grüße
Benedikt, der noch nie was an seinen Pfeifen gebohrt hat, besonders weil er die Tage überraschend und nie geglaubt wahrscheinlich zum OFi Raucher mutiert ist
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Re: Rauchkanal aufbohren

Beitragvon TeBe » 27.03.2018 08:03

Moin Benedikt.

Du schreibst hier vom Kürzen eines Strohhalms. Das ist was anderes als den Strohhalm teilweise zu erweitern. Letztendlich ist der größte teil des Rauchkanals, nämlich das Mundstück, unverändert. Die Strömungsgeschwindigkeit verringert sich also nur im erweiterten Teil, nicht aber im Mundstück.

Gruß, Thomas
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Re: Rauchkanal aufbohren

Beitragvon Maigret » 27.03.2018 12:08

Hallo Thomas, hallo Benedikt,
so gesehen ein sehr spannendes Thema.
Thomas, Du hast sicher recht, dass der kleinste Durchmesser die maximale Strömungsgeschwindigkeit vorgibt. Aber was ich interessant finde, ist die folgende Konstellation:
der Rauch strömt vom Kopf durch die Bohrung, dann in den Holm. Dort verwirbelt er und kühlt sich ab. Kondensat fällt aus. Danach strömt der Rauch durch die noch engere Bohrung im Mundstück und beschleunigt sich. Die Rauchmenge im breiteren Holm bleibt gleich und strömt langsamer, kann also noch mehr abkühlen.

Daraus ergeben sich folgende Fragen:
1.: was passiert am Übergang vom Holm zum engeren Mundstück genau und

2.: ist es das gleiche, was am Übergang vom Kopf zum Holm passiert, aber nur an einer anderen Stelle.

Was ändert sich durch die unterschiedliche Temperatur an den jeweiligen Übergangsstellen, denn beim Übergang vom Kopf in den Holm ist der Rauch ja wesentlich wärmer, als beim Übergang vom Holm ins Mundstück.
Ergibt sich daraus rein theoretisch betrachtet ein quasi perfekter Übergangspunkt vom Breiten zum Schmalen, sodass also die Rauchtemperatur und die enthaltene Feuchtigkeit, die ja so wenig wie möglich Kondensat bilden soll, so perfekt im Gleichgewicht sind, dass der Rauch zu Beginn wenig genug abkühlt um die Feuchtigkeit noch zu halten, gleichzeitig aber genug zu verlieren, um andererseits im engeren Bereich genau nur so schnell beschleunigt zu werden, um langsam genug abzukühlen und auch hier kein Kondesat zu bilden?

Rainer Barbi könnte das sicherlich wunderbar erklären.

Man müsste dazu tatsächlich einerseits einen Strömungstechniker befragen, welchen Einfluß sich verändernde Querschnitte haben und vermutlich einen Thermiker, der sagt, was mit dem Rauch aufgrund der mechanischen Beeinflussung durch die Strömung passiert.
Und letztlich müsste man jemanden fragen, der schlüssig erklären kann, inwieweit der Raucher das überhaupt bemerken kann oder ob diese Effekte nicht von anderen Faktoren vollkommen überlagert werden.

Gruß Jens
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Re: Rauchkanal aufbohren

Beitragvon Schraubnix » 27.03.2018 17:24

Hallo zusammen

Das ist z.b. wie bei einem Vergaser , der Motor läuft im Leerlauf , die Drosselklappe ist fast geschlossen , zum Luftfilter hin ist ein geringer Unterdruck , hinter der Drosselklappe ( zum Saugrohr hin ) ist ein hoher Unterdruck .

Öffnet nun die Drosselklappe verringert sich der Unterdruck hinter der Drosselklappe .

Der Luftspalt zwischen dem Vergasergehäuse ( Venturirohr ) und der Drosselklappe steht Sinnbildlich für das Mundstück der Pfeife bzw. für dessen Öffnung , der Holm stellt das Saugrohr dar und die Brennkammer den Verbrennungsraum des Motors .

Ich glaube so kann man es halbwegs beschreiben .


Gruss

Uli
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Re: Rauchkanal aufbohren

Beitragvon Manni-wan » 27.03.2018 17:57

Hi Jens, all.

Maigret hat geschrieben:1.: was passiert am Übergang vom Holm zum engeren Mundstück genau


Es erfolgt eine Verwirbelung, dadurch unter Anderem auch Kondensatbildung
(sowie erhöhter Zugwiderstand - zu "hören" am "pfeifen" beim ziehen)

Maigret hat geschrieben:2.: ist es das gleiche, was am Übergang vom Kopf zum Holm passiert, aber nur an einer anderen Stelle.


Ja ! Daher schaffen einige Pfeifenmacher an diesen Stellen auch gerundete/düsenförmige Übergänge
(Die sich aber einbrennen bzw. schnell durch Kondensate verändern, wenn man sie nicht säubert).

Maigret hat geschrieben:Was ändert sich durch die unterschiedliche Temperatur an den jeweiligen Übergangsstellen, denn beim Übergang vom Kopf in den Holm ist der Rauch ja wesentlich wärmer, als beim Übergang vom Holm ins Mundstück.


Wesentlich sind die Unterschiede nicht gerade, aber vorhanden... Temperaturabfall ergibt Kondensatbildung !
(siehe Brille im Winter aus dem Kalten ins Warme: beschlägt am kalten Glas)
Und es ist ja nicht nur der Übergang Kopf/Bohrung, sondern auch die kleinen Zwischenräume in der Tabakfüllung...
und: Der Tabak selbst schwitzt ja auch viel Feuchte aus !

Maigret hat geschrieben:Ergibt sich daraus rein theoretisch betrachtet ein quasi perfekter Übergangspunkt vom Breiten zum Schmalen, sodass also die Rauchtemperatur und die enthaltene Feuchtigkeit, die ja so wenig wie möglich Kondensat bilden soll, so perfekt im Gleichgewicht sind, dass der Rauch zu Beginn wenig genug abkühlt um die Feuchtigkeit noch zu halten, gleichzeitig aber genug zu verlieren, um andererseits im engeren Bereich genau nur so schnell beschleunigt zu werden, um langsam genug abzukühlen und auch hier kein Kondesat zu bilden?


Ja, aber das wäre fertigungstechnisch zu aufwändig (man kann ja nicht ohne Weiteres konisch vom Kopf her bohren).
Glatte/polierte Bohrungen z.B. setzen sich schnell zu nicht-mehr-glatt zu, ein Reiniger säubert zwar, kann aber auch verkratzen....

Maigret hat geschrieben:Rainer Barbi könnte das sicherlich wunderbar erklären.


:mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: Eher nicht, er hatte zwar mit Jura das Allwissen studiert, aber diesen Studiengang abgebrochen :wink:

Maigret hat geschrieben:Man müsste dazu tatsächlich einerseits einen Strömungstechniker befragen, welchen Einfluß sich verändernde Querschnitte haben und vermutlich einen Thermiker, der sagt, was mit dem Rauch aufgrund der mechanischen Beeinflussung durch die Strömung passiert.


Thermodynamik heisst das Fach (die gute alte Dampfmaschine),
aber dieser Techniker würde Dir sagen, daß sich zur genauen Berechnung Differentialgleichungen ergeben
(deren Randbedingungen zum Lösen derselben so noch nicht ermittelt wurden) - das wäre fast eine Doktorarbeit nötig :(

Maigret hat geschrieben:Und letztlich müsste man jemanden fragen, der schlüssig erklären kann, inwieweit der Raucher das überhaupt bemerken kann oder ob diese Effekte nicht von anderen Faktoren vollkommen überlagert werden.


Eben ! :mrgreen:

Das Meiste ist einfach durch Probieren und Erfahrung schon ganz gut gestaltet worden ! :D
(Und letztlich hatte Barbi ja auch dem Newcombe gesagt, daß er zu stark zieht, bloß ging dieser darauf in seinem Buch nur mit
einer Zeile ein - auf sein Aufbohrungs-neu-Rad-erfundenes jedoch seitenweise :wink:

Beste Grüße - Manni
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Re: Rauchkanal aufbohren

Beitragvon Maigret » 28.03.2018 08:59

Servus Manni,
doch der Rainer konnte das gut erklären. Wir sind mal zusammen in Basel am Rhein gesessen, und Rainer hat in seiner unnachahmlichen Art zwei Stunden über das Thema referiert und alles en detail beackert. Mir schwirrte nachher der Kopf, verstanden habe ich wenig und den Rest davon vergessen. Und das ist mittlerweile auch schon ewig her...
Sei es drum, jedenfalls sehe ich das ähnlich wie Du, allerdings würde ich gerne wissen, was da ganz genau passiert. Dass es verwirbelt ist völlig logisch, sonst würde uns der Rauch ein Loch in die Zunge bohren (sinngemäß jetzt). Und Kondensat ist auch logisch, sonst wäre die Asche nachher triefnass. Aber was ich gerne verstehen würde, ist der Zusammenhang, zwischen dem Rauch, seiner gebundenen Feuchtigkeit, der Strömungsgeschwindigkeit und der sich daraus ergebenden Temperaturveränderung und letztlich der sich wiederum daraus ergebenden Kondensatbildung.
Ich weiß, sowas könnte man mit Sicherheit studieren, aber ich habe mich dafür wohl zu doof angestellt :wink:

Gruß Jens
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Re: Rauchkanal aufbohren

Beitragvon Manni-wan » 28.03.2018 15:37

Hi Jens.

Maigret hat geschrieben:doch der Rainer konnte das gut erklären. Wir sind mal zusammen in Basel am Rhein gesessen, und Rainer hat in seiner unnachahmlichen Art zwei Stunden über das Thema referiert und alles en detail beackert. Mir schwirrte nachher der Kopf, verstanden habe ich wenig und den Rest davon vergessen.


Rainer hat auch viel Blödsinn betreffend der Physik von sich gegeben, es ging aber meist unwidersprochen in seinem Redeschwall unter :(

Maigret hat geschrieben:Aber was ich gerne verstehen würde, ist der Zusammenhang, zwischen dem Rauch, seiner gebundenen Feuchtigkeit, der Strömungsgeschwindigkeit und der sich daraus ergebenden Temperaturveränderung und letztlich der sich wiederum daraus ergebenden Kondensatbildung.


Bitte:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bernoulli-Gleichung
und:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wasserdampf

Viel Spaß ! :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
Manni
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Re: Rauchkanal aufbohren

Beitragvon Maigret » 28.03.2018 15:50

Hallo manni,
das ist alles???? Ich hab das mal schnell gelesen, ist ja alles vollkommen klar, logisch, hätte ich ja selber drauf kommen können..... :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:

Kurz gesagt: ich ziehe mich auf den Standpunkt zurück, dass das beim Rauchen eh kein Schwein bemerkt :wink:

Gruß Jens
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Re: Rauchkanal aufbohren

Beitragvon Manni-wan » 28.03.2018 16:11

Hallo Jens,

jau - die beiden Artikel kombiniert, und Du bist bei der guten alten Dampfmaschine :mrgreen:

Solche Vorlesungen hatte ich vor Jahrzehnten mal über mich ergehen lassen und kurz später erfolgreich verdrängt,
und auch wenn immer mal wieder jemand um die Ecke plärrt "bei mir ist aber...ich habe aber...seit Jahren aber...mir schmeckt es aber"...
ist zumindest das letzte (mit dem schmecken) am Wichtigsten, so man den Aufwand der Thermodynamik scheut :wink:

Beste Grüße - Manni
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