Straight Grain - nur ein Mythos?

Straight Grain - nur ein Mythos?

Beitragvon oldfashioned » 03.11.2017 16:54

Werte Gemeinde,
als ich mit dem Pfeife rauchen anfing, galten Straight Grains nicht nur als state of the art der Pfeifenbaukunst, sondern auch deshalb als anstrebenswerter Besitz, weil der geradlinige Maserungsverlauf besondere geschmackliche Güte hervorbringen würde.
Mittlerweile rauche ich solche Pfeifen von u.a. Oldenkott (!), Parker, Upshall und einige andere - ohne daß ich besondere geschmackliche Vorzüge gegenüber anderen gut schmeckenden Pfeifen feststellen könnte. Gut ausschauen tun sie halt....
Was sind Eure Erfahrungen?
Grüße aus der Provinz:
Paul
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Re: Straight Grain - nur ein Mythos?

Beitragvon Maigret » 03.11.2017 19:19

Hallo Paul,
ob Straight, cross, flame oder schnipp oder schnupp spielt überhaupt keine Rolle, Hauptsache es ist viel weiches hygroskopisches Füllholz drin. Wie die Maserung liegt, ist völlig wurscht.
Aber Straight Grain sieht halt klasse aus :wink:

Gruß Jens
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Re: Straight Grain - nur ein Mytho

Beitragvon pipediver » 03.11.2017 19:53

Hallo Paul,
Habe ein paar wenige straight grains und erfreue mich am Anblick. Meiner Erfahrung nach hat aber die Maserung mit der Rauchqualität einer Pfeife in etwa soviel zu tun, wie die Farbe eines Autos mit dessen Fahreigenschaften. Vielleicht bin ich auch nicht sensitiv genug, der Gedanke kam mir schon beim Studium von Fred Hanna's The Perfect Smoke.
Vielleicht gibt es ja auch sowas wie einen Placeboeffekt. Die schöne Pfeife schmeckt ihrem Eigentümer wirklich besser.
Bei mir ist es jedenfalls nicht so. Habe einen alten Rauchprügel aus Studentenzeiten, deren Maserung im Wesentlichen aus Spots besteht, die vorzüglichen Rauchgenuss bietet.
Gruss
Martin
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Re: Straight Grain - nur ein Mythos?

Beitragvon silver-spigot » 04.11.2017 01:52

Hallo Paul, P&T,

ich kann ebenfalls nicht behaupten, dass ein straight-grain rauchtechnische Vorzüge hätte.

Allerdings scheinen mir Pfeifen mit einem cross-grain tendenziell am anfälligsten für Zickigkeit. Besonders die vier Stellen, wo in der Tabakkammer die horizontal verlaufende Maserung in birdseyes übergeht, neigt nach meiner Beobachtung immer wieder zu leichter Überhitzung. Das liegt wahrscheinlich daran, dass hier eine Ansammlung einzelner, parallel laufender langer Faserpartien konzentriert der Hitze ausgesetzt ist und der Weg der Wärmeableitung aus dem Inneren erschwert ist. Besonders in der Einrauchphase schenke ich cross-grains daher besondere Aufmerksamkeit.

Optimal soll ja eine 360°birdseye Maserung sein (wohl die größte Rarität überhaupt) und dies möglicherweise wegen der besagten Wärmeableitung auf dem kürzesten Weg? Ich habe eine alte Peterson supreme mit fast 3/4 feinsten birdseyes, wie Nadelköpfchen und ganz gleichmässig. Ich möchte keine Regel daraus machen, doch die raucht sich tatsächlich ganz phantastisch!
Viele Grüße
Jochen
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Re: Straight Grain - nur ein Mythos?

Beitragvon Chris Claus » 07.11.2017 16:06

Hallo Jochen, liebe Mit-Forianer,

vielen Dank für diesen aus meiner Sicht sehr wertvollen Gedanken. Die Baumheide ist ja deswegen so herausragend zum Pfeifenbau geeignet, weil sie (wie sonst Gräser) einen höheren Anteil an Siliziumdioxid ("Sand") enthält. Das verbessert die Wärmeabfuhr macht die Pfeife einigermaßen "feuerfest" und ...
... ist natürlich nicht gleichförmig im Holz verteilt.

Jedenfalls ist das jetzt ein sehr guter Grund, diesem Gedanken mit verschiedenen Pfeifen im stillen Zwiegespräch mit dem Tabak nachzuspüren.

Grüße
Chris
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Re: Straight Grain - nur ein Mythos?

Beitragvon Oliver 70 » 12.11.2017 00:03

Moin von der Ostsee,

sicherlich nicht nur ein Mythos. Ich habe ein paar straight grains, nicht so perfekt aber fuer mich straigt grain. Ich habe vor ein paar Tagen eine Design Berlin Freehand bekommen. Rundherum Straight Grain Pfeifenboden Bird Eyes und super verarbeitet.

Gerade in der Serienproduktion werden die Pfeifenkoepfe mit einer schoenen Maserung aussortiert und meistens von Hand weiterberarbeitet. Bei Vauen habe ich mal gelesen das bei 1000 Pfeifen vielleicht 2 Pfeifen mit einer Straight Grain Maserung anfallen. Diese Serienpfeifen werden natuerlich besonders sorgfaeltig weiterverarbeitet und das hat auch seinen Preis.
Fuer mich sind Kittstellen nicht schoen, beeinflussen die Raucheifenschaften, wenn sie sonst sorgfaeltig verarbeitet sind, natuerlich nicht.

Bei mir raucht das Auge halt mit und ich erfreue mich an einer schoenen Maserung und and einer schoenen Form. Das ist Geschmackssache.

Gruesse Oliver
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Re: Straight Grain - nur ein Mythos?

Beitragvon Ch. Demian » 12.11.2017 01:44

Hej Leute,

ich glaube wir reden hier von zweierlei Idee was mit "Mythos" gemeint ist. Ich glaube Pauls Eingangsposting meinte, ob jenseits des visuellen Vergnügens
(wenn es denn eines ist), das man an den Straight Grains haben könnte, etwas an Mehrwert da sei. Geschmackliche Vorzüge etc. Oliver hat glaube ich im
Sinne, ob solche Pfeifen an sich als Mythos abgetan werden können - so Yeti-mäßig (oder G-Punkt-mäßig, wenn man es kontroverser mag als die Yeti-Sache).

Ich glaube über die Eingangsfrage kann man in der Tat streiten. Die Existenz solcher Maserung an sich kann man eher nicht bestreiten - tauchen doch immer
mal wieder welche auf. Von meinen Pfeifen rauch(t)en sich bisher alle eher so dass Rückschlüsse auf die Maserung nicht drin waren. Eigentlich rauchten sich
am besten die ollen Dinger aus algerischem Bruyere. Das Maserungsbild derselben war eher dadurch gekennzeichnet, dass es eher gar keins gab. Ein bisschen
Marmorkuchenmaserung und diese typischen Pünktlenin, das Ganze härter als anderes Bruyere und maximal-fern von SG.

VG

Chris
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