Mein Drama … Dunhill EMP und ich

Mein Drama … Dunhill EMP und ich

Beitragvon Klein J.R.R. » 10.02.2018 01:28

Guten Abend P&T,

ich schreibe mit einer Portion Unsicherheit und etwas Scham …
Ist Dunhills Early Morning Pipe für Anfänger eher nicht zu empfehlen? Oder stelle ich mich zu doof an?

Etwas wortreich erläutert:
Als Wiedereinsteiger-Neuling (die Pfeife hatte ich 2005 beiseite gelegt) bin ich am Probieren verschiedener Tabake. Aus "alten Zeiten" habe ich etwas Danske Club "Vanilla" und von Höhnes Tabak Kontor (aus Fulda) "Mein Tabak – Own Mixture No. 1" aufzurauchen (letzterer ist eher unter die Aromaten einzuordnen, mithin ein Geschenk von Freunden).
Probiert habe ich kürzlich zudem Rattrays Macbeth und ein Pröbchen MacBaren HH Pure Virginia - fand ich sehr lecker. Eine Steigerung zu den von mir gerne ab und an gerauchten leichteren kubanischen Robustos.
Mutig geworden, wagte ich mich an einen Vertreter englischer Provenienz: Dunhill Early Morning Pipe. Immerhin die erste englische Mischung, die ich in den 90ern riechen durfte (Nase in die Dose gehalten) und die sich seit damals als klassischer Vertreter der Gattung "Pferdestalltabak" bei mir eingebrannt hat. Soll ja leicht sein (Morning …) und mein örtlicher Händler meinte, der wäre sicher gut geeignet für einen Einstieg in die Latakia-Welt.
Also - kleine Pfeife erworben (Peterson Tyrone 15) - schön locker gestopft und geraucht. Hui! Der war heftiger als ich dachte! Gerade, als er interessante Aromen preisgab, begann sich die Welt zu drehen und mir brach kalter Schweiß aus. Durchhalten! Nur noch etwas. Zu spät … der Tabak war stärker als ich. Nicotin-Overkill, Noträumung, Übelkeit usw.. OK, die Pfeife hatte auch keinen Filter. Alles, was ich bisher rauchte, hatte einen solchen. Aber schließlich gibt es da doch diese starke "Filter? Pfff - Quatsch!"-Fraktion. Und ich dachte: komm, das kannst du doch auch, ist ja ein leichter Tabak.
Mein zweiter Versuch heute abend war dann mit einer schönen kleinen Vauen London Billard, mit Filter. Nur halb gefüllt, da neu.
Immerhin konnte ich zu Ende rauchen ohne Karussell zu fahren. Beeindruckt vom trockenen Filter und der schönen, feinen Asche war mein Selbstvertrauen so weit hergestellt, dass ich diesen Post verfasse. Aber dennoch - der EMP ist mir zu heftig, zu stark. Ein Genuss jedenfalls nicht, überfordert mich eher.

Ich frage mich – und bin dankbar für jede Hilfestellung – sollte ich einen anderen Latakia zum Einstieg wählen? Eine Empfehlung wäre Falkums Englische Mischung … Oder lieber erst einmal gar keine englischen Experimente? Wartet man als Anfänger / Wiedereinsteiger besser, bis man sich "eingeraucht" hat. Sprich: Erfahrungen gesammelt und eine gewisse Grundgewöhnung? Ich rauche immerhin nicht allzu viel, etwa 2-3 Pfeifen/Woche. Vielleicht besser erstmal naturbelassene Virginias genießen?

Allen, die meinen Sermon bis hierher gelesen haben, jedenfalls ein herzliches DANKE!

Gute Nacht und herzliche Grüße - Martin
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Re: Mein Drama … Dunhill EMP und ich

Beitragvon Maigret » 10.02.2018 10:32

Hallo Martin
da der EMP demnächst sowieso vom Markt verschwindet, wird sich diese Problem mittelfristig als ein akademisches herausstellen.
Aber ich kann Deine Erfahrungen nachvollziehen, bei mir hat der Tabak seinerzeit auch gewisse physische Reaktionen verursacht. Ebenso wie die Standard Mixture.
Die Tabake sind mit Sicherheit nicht schwer, hinsichtlich ihres Nikotingehaltes, an dem übrigens auch der Filter nicht viel ändert, aber ich glaube, es liegt an der Zusammensetzung. Soweit mir bekannt ist, enthält der EMP getoasteten Virginia, und das ist bei dem ein oder anderen ein kompatibilitäsausschließendes Merkmal :wink:
Wenn Du auf der Suche nach einem guten Engländer bist, könnte ich Dir folgende Tabake empfehlen (ohne Wertung in der Reihenfolge):

- HU Tobacco Balkan Mixture
- HU Tobacco Sweet Latakia
- HU Tobacco Fayyum Mixture
- HU Tobacco Tigray
- DTM Timm 1000 London Blend
- Rattrays Red Raparee
und last not least:
- Samuel Gawith The Squadron Leader :wink:

Gruß Jens
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Re: Mein Drama … Dunhill EMP und ich

Beitragvon piper965 » 10.02.2018 10:49

Hallo!

Der EMP ist in der Tat ein leichter und nikotinarmer Tabak. Am Latakia kann es nicht liegen, denn der ist im EMP nur in homöopathische Dosen enthalten und zudem (wie sonst idR Orienttabake auch) nikotinschwach. Ich würde auch auf die Wirkung getoastete Tabake tippen, die sind nicht jedermanns Sache.

VG, Oliver
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Re: Mein Drama … Dunhill EMP und ich

Beitragvon Gripsiltis » 10.02.2018 14:41

Hallo Martin!

Drei Gedanken kommen mir zu deinem Post - ein vielleicht nicht so relevanter und zwei, die näher an deiner eigentlichen Fragestellung sind.

1. Es hat nicht viel mit dem Thema Nikotin zu tun, wohl aber mit dem Einstieg in Latakiamischungen: ja, die EMP wird häufig als guter Einstieg empfohlen - ob es auch am vergleichsweise niedrigen Nikotingehalt liegt, weiß ich nicht. Bestimmt aber, weil der Latakia-Anteil moderat ist und damit das Geschmacksbild nicht so eintönig in Richtung Rauch, Lagerfeuer, Stall und Leder geht. Ich habe noch ein paar Dosen eingelagert und hatte vor kurzem mal wieder eine Dose aufgemacht, die schon vier Jahre gealtert war. Und ich war wirklich entsetzt. Ich fand, das war zwar kein nikotinstarker, aber ein ganz unausgewogener, unangenehmer, harscher, teilweise scharfer Tabak, der überhaupt nicht gut geblendet war. Vielleicht eine schlechte Charge? Jedenfalls hatte ich die EMP, den ich vier oder fünf Jahre zuvor das letzte mal hatte, ganz anders, viel harmonischer, balancierter und zugänglicher in meinem Textbook gespeichert. Ich habe mich dennoch durch die Dose gekämpft und muss ehrlicherweise sagen, dass die letzten 20 Gramm etwa dann besser wurden und der Tabak zu sich fand, die Tabakanteile zueinander fanden. Dennoch war ich irgendwie froh, "nur" zwei weitere Dosen eingekellert zu haben und keine zwölf.

Langer Rede, kurzer Sinn: vielleicht ist die EMP doch keine so ideale Latakiamischung für den Einstieg, einfach weil sie (mittlerweile) ein mittelmäßiger Tabak ist? Jens hat schon tolle Sorten auf dem deutschen Markt genannt, ich würde besonders den Squadron Leader von Gawith empfehlen und den Tuarekh von HU Tobacco/Foundation by Musico. Den SqL übrigens würde ich nicht aus den ganz kleinen Köpfen (17-18mm) rauchen, da er gar nicht so fein geschnitten ist, wenn ich mich richtig erinnere. Eine Kopfbohrung zwischen 20 und 23mm sollte eher passen. Den Tuarekh hingegen habe ich als etwas feiner geschnitten in Erinnerung. Beides sind jedenfalls ausgezeichnete Vertreter ihrer Art.

2. Darauf komme ich nur, weil du betonst, dass du besonders locker gestopft hast: die EMP ist ja nicht sehr feucht, sondern perfekt konditioniert, vielleicht so gar einen Ticken auf der trockenen Seite. Dann würde ich eher empfehlen - besonders oFi - einen bisschen fester zu stopfen. Natürlich nicht, dass du keinen Zug mehr hast, so aber, dass du im Vergleich zur leeren Pfeife einen minimalen Widerstand spürst. Denn ich glaube (kann das aber nicht weiter belegen) intuitiv, dass eine zu locker gestopfte Pfeife mehr Sidestream hat und dich schneller Karussell fahren lässt.

3. Ja, Latakia hat wenig Nikotin, Orienttabake ebenso. Ich kenne die Rezeptur der EMP nicht, aber es könnte ein hoher Orientanteil sein, der dich in die Knie zwingt. Neben dem Nikotinanteil im Blattgut spielt nämlich eine Rolle, wie schnell wie viel Nikotin durch die Mundschleimhaut absorbiert wird. Je höher der pH-Wert des Rauchs, desto schneller und desto mehr wird Nikotin absorbiert. Wegen des geringen Zuckeranteils verbrennen Orienttabake mit höherem pH-Wert als Virginias etwa. Das könnte ein Grund für deine Karussellfahrten sein. (Quelle für diesen Zusammenhang zwischen pH-Wert und Nikotinabsorbtion: Ask G. L. Pease, Mai 2011)

Vielleicht wäre also zum Einstieg in die Welt der Latakiamischungen für dich eine Mischung ohne sonstige Orienttabake oder mit einem nur geringen Orientanteil das Richtige.. Andererseits ist der Orient in diesen Mischungen oft sowas von lecker. ;)

Liebe Grüße und viel Spaß beim Probieren!
Eddy
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Re: Mein Drama … Dunhill EMP und ich

Beitragvon Klein J.R.R. » 10.02.2018 22:33

Guten Abend Jens, Oliver und Eddy, guten Abend P&T,

herzlichen Dank für Eure Rückmeldungen! Fein, das klingt erstmal mehr als ermutigend. In der Tat habt ihr mich derart ermuntert, dass ich gleich heute nachmittag eine weitere Pfeife (Peterson Tyrone XL02 mit 9mm Savinelli-Filter) mit englischem Tabak stopfte. Zur Erprobung kam eine vor kurzem in Miltenberg gekaufte MF Prime Selection English Blend von Falkum. Ich hatte diesen, neben der EMP, dort zusammen mit der Peterson erworben.
Die Mischung ist Black Cavendish und Virginia dominiert mit einer "leichten Prise" Latakia. Nun ja - sehr, sehr lecker! Geschmacklich genau das, was ich am EMP (jedenfalls kurz) genossen hatte. Sehr lecker. Und ganz ohne jegliches Schwindelgefühl. :D

Also wie von Euch geschrieben: kein generelles Problem mit Latakia-Mischungen, bzw. Nikotin. Es bleibt mir, herauszufinden was mein EMP-Problem nun eigentlich ist.

Nächster Schritt: Squadron Leader besorgen und probieren. Den bekomme ich vor Ort. Wenn ich ihn gut genießen kann, sind immerhin die Orienttabake gerettet.
Außerdem hat ein gewisser Post von Jens neulich beim Stöbern im Thread "A la YT: das dreckige (halbe) Dutzend" – neben meinen Lachmuskeln – auch meine Neugier geweckt.
Der Falkum English Blend ist Orient- als auch Toast-Tabak-frei. Ich will's wissen - vertrage ich Orienttabake nicht? Ist es der Anteil getoasteten Krauts?

Für den SqL empfiehlt sich wohl eher ein Standard-Kopf mit mittlerem Füllvolumen? Oder besser etwas kleiner, aber mit ordentlich Durchmesser … etwa eine Flakepfeife wie z.B. die Savinelli 315? Ich frage lieber mal nach, denn meiner (zugegeben sehr bescheidenen) Erfahrung nach ist die Wahl der Pfeife zum Tabak nicht zu unterschätzen.

Danke auch für die Empfehlungen! Bei HU Tobacco habe ich mir vor kurzem ein Döschen Janneman-Flake bestellt (für die noch zu startenden Flake-Experimente). Der Tigray und/oder der Tuarekh klingen gut. Eine schöne Aussicht, wenn ich die Squadron Leader Probe unbeschadet überstehe … bzw. ich danach überhaupt noch andere Tabake in die Pfeife lassen möchte :wink:

Mit herzlichen Grüßen -
Martin
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Re: Mein Drama … Dunhill EMP und ich

Beitragvon Klein J.R.R. » 10.02.2018 22:46

Ähem ... kleiner Nachtrag. Gibt es eine Tauschbörse für eine Dose EMP?

Herzliche Grüße, Martin
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Re: Mein Drama … Dunhill EMP und ich

Beitragvon piper965 » 11.02.2018 11:01

Hallo und auch noch mal einen Nachtrag:

ich liebe, va. wenn es nur leicht englisch und sonst butterweich und wenig belastend sein soll, seit letztem Jahr fast abgöttisch die Presbyterian Mixture. Die und (wenns mal kräftig werden soll) die Banker's haben mich mit Planta versöhnt. Worth a try.

VG, Oliver
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Re: Mein Drama … Dunhill EMP und ich

Beitragvon Maigret » 11.02.2018 11:48

Hallo Martin,
ich habe den Squadron Leader aus allem geraucht, was im Schrank steht. Geht alles. Musst nur aufpassen beim Stopfen. In der Dose ist er recht feucht, also unten gaaaaanz locker anfangen, sonst pappst Du schnell mal das Zugloch zu. Aber in der oberen Hälfte kannst Du gut reinpacken. Wenn er mal brennt, brennt er. Nicht viel Stopfen, nur glätten. Das reicht ihm völlig.
Wohl bekomm's :wink:
Gruß Jens
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Re: Mein Drama … Dunhill EMP und ich

Beitragvon Klein J.R.R. » 11.02.2018 21:55

Hallo Oliver und Jens,

danke - die Tabakliste wurde entsprechend ergänzt :wink:

Das höre ich gern - "aus allem geraucht, was im Schrank steht." Mal sehen, ob mir das nach der Probe auch passiert :D Ich bin jedenfalls gespannt auf die neuen Tabake und natürlich besonders den SqL.

Bis bald, herzliche Grüße -
Martin
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Re: Mein Drama … Dunhill EMP und ich

Beitragvon getz » 11.02.2018 23:17

Servus Martin,
ich würde Dir ja den EMP gerne im Tausch abnehmen. Aber ich weiß nicht, was ich dir dafür anbieten soll. Ich habe den Moro Cake von Motzek, der mir nicht besonders zusagt, aber nicht schlecht und sicherlich gut gemacht ist. Die Stärke haut Dich sicher nicht um. Den Diehl Balkan könnte ich auch anbieten. Aber wenn Dir der EMP schon zu stark ist, wäre der wohl zu viel des Guten.
Was den SqL angeht, kann ich Jens nur beipflichten. Ich verstehe gar nicht, wie der an mir über 40 Jahre vorbeigehen konnte. Als ich ihn letztes Jahr das erste mal probiert habe, kam er mir wochenlang nicht mehr aus der Pfeife. Ich würde ihn nur etwas trocknen lassen. Denn er gewinnt meines Erachtens deutlich, wenn er nicht mehr so feucht ist.
Gruß
Stephan
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